Aufruf St. Pankratius HH-Ochsenwerder
 
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AG BeNe

Aufruf St. Pankratius HH-Ochsenwerder

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(@steppenwolf)
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Danke @pimpinella

Ja, es war etwas Arbeit, die Informationen zusammenzutragen, aber nicht unmöglich!

Bemerkenswert ist doch, dass die sonst doch so investigative Presse nicht auf die Besonderheiten der bekannten Taten und des Täters eingeht.
Nach dem „milden“ Urteil gegen den Vater (Bewährung) ist leider zu befürchten, dass auch der Pastor vergleichsweise gnädig davon kommt.

Einzig und allein der Missbrauch einer Vertrauens- und Autoritätsstellung (im Zusammenhang mit der nachträglichen Konfirmation) könnte vom Gericht strafverschärfend gewertet werden.

Wir werden es sehen, insbesondere wie die Nordkirche dann im folgenden Disziplinarverfahren das Ganze im Kontext bewerten wird.


 
Veröffentlicht : 20.05.2026 5:44
Tim1979 und Pimpinella haben reagiert
(@steppenwolf)
Beiträge: 44
 
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Wie leider zu erwarten: Milde Strafe und milde Erinnerung!

 

Der Pastor wurde gestern wegen sexuellen Missbrauchs eines Jugendlichen und wegen Besitzes jugendpornografischen Materials zu einem Jahr und neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Kein Gefängnis. Kein spektakulärer Justizskandal. Einfach ein weiteres Kapitel deutscher Aufarbeitungskultur.

Das Hamburger Landgericht stellte laut den bekannten Berichten fest:
Der betroffene Jugendliche sei widersprüchlich gewesen, teilweise unglaubwürdig und habe falsche Angaben gemacht.

Der Angeklagte dagegen zeigte Reue. Praktischerweise allerdings erst am letzten Prozesstag — also zu einem Zeitpunkt, als die Beweislage offenbar bereits recht eindeutig gewesen sein dürfte.


So entsteht leider das bekannte Bild solcher Verfahren:

Hier der „schwierige“ Betroffene mit Erinnerungslücken, Widersprüchen und bemerkenswerter Biografie.


Dort der ältere, einsichtige, betont bieder daherkommende Geistliche, der teilweise Fehler einräume und wegen dem langen Verfahren selbst „zusätzlich belastet“ wurde.

 

Und tatsächlich: Lange Verfahren seien belastend. Das betonen Gerichte regelmäßig. Interessant wäre allerdings die Frage, ob diese Erkenntnis irgendwann auch konsequent auf Betroffene angewandt wird. Denn viele Opfer erleben Ermittlungen und Prozesse ebenfalls als jahrelange psychische Belastung — nur ohne öffentliche Anteilnahme und oft ohne angemessene Entschädigung.

 

Vielleicht müssten Gerichte künftig konsequenter darüber nachdenken, ob überlange Verfahren nicht auch höhere Schmerzensgeldzahlungen für Betroffene rechtfertigen würden — und nicht nur strafmildernde Argumente für Angeklagte liefern.

 

Besonders bemerkenswert wirkt übrigens laut dem Bericht der „Welt“ ein Detail aus dem Urteil:

Das Gericht wertete strafmildernd, dass der Pastor vor der Tat in einem Chat geschrieben habe: „Aber nur, wenn du willst.“

Das klingt zunächst fürsorglich, sensibel und respektvoll. Fast wie ein Präventionsplakat der Kirche selbst.

Man könnte allerdings auch die Frage stellen, ob genau solche Formulierungen nicht ebenso als taktische Absicherung verstanden werden könnten — gerade bei Personen, die durch kirchliche Präventionsschulungen intensiv mit Täterstrategien, Grenzverschiebungen und juristischen Grauzonen vertraut sind?

 

Denn die Nordkirche betont selbst regelmäßig, Präventionsarbeit solle „die Wahrnehmung aller haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden der Kirche schärfen, um missbräuchliches Verhalten frühzeitig zu erkennen und dazu sprach- und handlungsfähig zu sein.“

 

Das Problem dabei:

Wissen schützt nicht automatisch vor Tätern.
Manchmal lernen Täter dadurch leider auch, wie man unauffälliger agiert.

 

Und dann bleibt auch nach dem Urteil die generelle Frage zur Rolle der Kirche offen:
Wer wusste eigentlich wann was und hätte man schneller reagieren können?

 

 

Während die Kirche später schnelle Reaktionen (z.B. nur 3 Monate bis die Information über die Anklage von der Landeskirche weitergegeben wurde) betonte, blieb der Pastor nach seinem Weggang aus Ochsenwerder noch lange im kirchlichen Vertretungsdienst tätig. Für viele Betroffene wirkt das wie ein weiteres Beispiel dafür, wie Institutionen zwar über Prävention sprechen — aber bei konkreten Verdachtsmomenten und Meldungen erstaunlich langsam reagieren.

 

Am Ende steht nun ein Urteil auf Bewährung, viele offene Fragen und das übliche Gefühl institutioneller Erleichterung:
Kein großer Skandal mehr. Keine dramatischen Bilder. Weitergehen.

Und bis zum Dienstag nach einem langen Wochenende hat sich das „öffentliche Erstaunen“ über das Urteil wohl gelegt.

Bis zum nächsten Fall?

Quellen (ohne Links wegen Freigabe durch Moderation):

  • WELT: Bewährungsstrafe für Pastor, der Geld für sexuellen Kontakt zu 15-Jährigem zahlte
  • Ev. Kirche HH: Information zum Abschluss des Gerichtsprozesses gegen einen Pastor der Nordkirche
  • Hamburger Abendblatt: Überraschend mildes Urteil gegen Hamburger Pastor


Dieser Beitrag wurde vor 17 Stunden von Steppenwolf  geändert
Dieser Beitrag wurde vor 14 Stunden von Steppenwolf  geändert
 
Veröffentlicht : 23.05.2026 5:11
(@tim1979)
Beiträge: 287
Themenstarter
 
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Sofern es bei Steppenwolf nicht funktioniert, anbei Links zum Prozessausgang von Kirche und NDR:

Information zum Abschluss des Gerichtsprozesses gegen einen Pastor der Nordkirche - Kirche Hamburg

Bewährungsstrafe für Hamburger Pastor wegen sexuellen Missbrauchs | ndr.de

 


 
Veröffentlicht : 23.05.2026 13:44
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