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AG BeNe
Vielen Dank für den Hinweis und die wertvolle Zusammenstellung von aktuellen Berichten und Artikeln.Mittlerweile stehen ja auch bei BeNe unter „Aktuelles“ eine Menge an Links, hoffen wir, dass diese Seite nun dauerhaft und zeitnah aktualisiert wird.
„KirchenPOLITIKERin“- eine durchaus treffende Beschreibung für jemanden, der sich seit ihrer Wahl zur OKRin zu einer machtvollen Personalie innerhalb der EKD entwickelt hat. Und deshalb muss man diesen Beitrag auch genau aus dieser Perspektive betrachten und analysieren. Das Interview mit der Kirchenpräsidentin hinterlässt vor allem einen bemerkenswert glatten Eindruck: Alles ist auf dem Weg, vieles funktioniert „wirklich gut“, strukturelle Probleme werden eher als unvermeidliche Begleiterscheinungen denn als Folge konkreter Entscheidungen dargestellt. Selbst die deutliche Kritik zurückgetretener Betroffenenvertreter wird letztlich relativiert – Rücktritte erscheinen hier als persönliche Pausen, nicht als mögliches Symptom eines Systems, das an seine Grenzen stößt. Selbstkritische Bilanz oder konkrete Verantwortung? Fehlanzeige. Besonders aufschlussreich ist der Satz: „Ich finde das sehr bedauerlich, kann das aber nicht ändern.“ Gemeint ist die Abweichung einzelner Landeskirchen von der gemeinsamen Anerkennungsrichtlinie. Doch gerade diese Aussage wirft Fragen auf. Denn war nicht längst bekannt – und auch intern Thema –, dass der protestantische Föderalismus genau zu dieser Uneinheitlichkeit führen würde? Wurde nicht bereits auf der letzten Synode und in den Sozialen Medien vor genau diesem Szenario gewarnt? Wenn eine Kirchenpräsidentin heute ihr Bedauern formuliert, wirkt das weniger wie eine überraschende Erkenntnis als vielmehr wie die nachträgliche Feststellung eines Risikos, das vorhersehbar war. Was hätte sie ändern können? Oder hat es vielleicht sogar versucht? Die Möglichkeiten lagen durchaus im eigenen Einflussbereich – etwa darauf zu drängen, dass die lange angekündigte Vernetzungsplattform wie versprochen bereits 2024 funktionsfähig zur Verfügung steht, statt erst mit Verzögerung und eingeschränkter Wirkung.
Oder darauf hinzuwirken, dass der Anhaltskatalog nicht erst nach Inkrafttreten der Anerkennungsrichtlinie entsteht, sondern als deren fachliches Fundament von Anfang an Orientierung bietet.
Und nicht zuletzt könnte sie nun dazu beitragen, dass der vom Beteiligungsforum bereits gebilligte Anhaltskatalog nun zeitnah veröffentlicht wird – auch, um Transparenz zu schaffen und den Landeskirchen jene Verbindlichkeit abzuverlangen, die bislang vor allem als Ziel formuliert, aber noch zu selten als Realität erlebt wird.
Auffällig ist auch, was im Interview gar nicht vorkommt: die konkrete Situation in der eigenen Landeskirche. Keine Angaben dazu, wie intensiv Personalakten aufgearbeitet wurden. Keine Einordnung, warum Anerkennungsleistungen dort bislang als eher zurückhaltend wahrgenommen werden. Keine Stellungnahme zu offenen Fragen und Kritikpunkten von Betroffenen, die seit längerem auf Antworten warten. Stattdessen bleibt die Perspektive abstrakt, systemisch, global galaktisch übergeordnet – und damit letztlich unverbindlich. Auch journalistisch bleiben Chancen ungenutzt. Wo kritische Nachfragen möglich gewesen wären – zur tatsächlichen Umsetzung vor Ort, zu konkreten Zahlen, zu Entscheidungen in der eigenen Verantwortung oder zu den auch hier bereits akribisch aufgelisteten systemischen Mängeln im BeFo Konzept – da bleibt das Gespräch auf der Ebene von Grundsatzfragen - aus Sicht der Kirche - stehen. So entsteht ein Bild von Aufarbeitung als Prozess, der vor allem beschrieben, aber weniger konkret hinterfragt wird. Der Gesamteindruck ist der einer Institution, die sich ihrer Reformbereitschaft sicher ist – und einer leitenden Persönlichkeit, die diese Entwicklung moderiert, ohne sich allzu sehr mit den Widersprüchen ihrer praktischen Umsetzung aufzuhalten.
Gerade angesichts der bekannten Spannungen zwischen Anspruch und Realität wäre jedoch genau das die entscheidende Führungsaufgabe: Nicht nur Bedauern zu formulieren, sondern Verantwortung sichtbar und transparent zu übernehmen – auch dort, wo es unbequem wird.