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AG BeNe

Rückzug aus dem BeFo

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(@walter)
Beiträge: 87
 
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@steppenwolf

Hallo Steppenwolf, die Zeit läuft und läuft

Es wäre mal eine gute Frage an die Landeskirchen, wieviel Betroffene seit 2023 verstorben sind, Betroffene, die gewartet und erwartet haben...und wieviel uns verlassen bis die Anerkennungsleistungen angeschlossen sind.Es gibt ja das zynische Feld im Fragebogen " Wem möchten sie mögliche Anerkennungsleistungen vererben" Man rechnet also schon damit, dass soviel Zeit vergeht, das einige ( viele ? ) die Zahlung gar nicht mehr erleben

 
Veröffentlicht : 13.02.2026 18:06
Steppenwolf hat reagiert
(@rainer-zufall)
Beiträge: 16
 
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Wie der Zufall es will habe ich gestern ein epd-Interview und heute morgen (wenn auch nur kurz) einen Beitrag von Steppenwolf gelesen, der dann, wie ich finde, leider ausgeblendet wurde.

Meine persönliche Analyse (Art. 5 Abs. 1 GG) zum epd-Gespräch mit der Strategieberaterin des Beteiligungsforums: Strukturelle Defizite und machtpolitisches Vakuum

Das epd-Interview mit der langjährigen Prozessbegleiterin des Beteiligungsforums (BeFo) vom 12. Februar 2026 markiert einen Wendepunkt in der Debatte um die kirchliche Aufarbeitung. Während die Beraterin die „Dramatik“ der institutionellen Trägheit anmahnt, zeigt die aktuelle Krise – verdeutlicht durch den Rückzug profilierter Betroffenenvertreter – fundamentale Konstruktionsfehler im System auf.

1. Ressourcen-Fehlallokation: Sitzungsfrequenz statt Wirksamkeit:

Die Beraterin reagiert auf den Rücktritt der Sprecherin der Betroffenengruppe – die explizit massive Überlastung und mangelnde Wirksamkeit als Gründe nannte – mit der Forderung, die EKD müsse Betroffenen „Zugriff beispielsweise auf Geld für weitere Treffen“ ermöglichen. Das ist für mein Dafürhalten ein Offenbarungseid. Wer glaubt, die psychische und zeitliche Auszehrung von Betroffenen durch noch mehr Sitzungen und zusätzliche Bahnkilometer (wenn auch in der 1. Klasse) heilen zu können, hat die wahre Dramatik nicht verstanden. Hier wird ein System moderiert, das Engagement verbraucht, anstatt echte Entlastung durch verbindliche Machtabgabe zu schaffen.

Wenn mühsam vereinbarte „Paketlösungen“ – wie die Anerkennungsrichtlinien zum 01.01.2026 – föderal in den Landeskirchen nun doch wieder infrage gestellt werden, führt eine Ausweitung der Sitzungen nicht zur Lösung, sondern zur Perpetuierung des Stillstands.

2. Rollenkonflikte und das Versagen der Supervision:

Ein zentraler Fachkritikpunkt bleibt die Struktur der Begleitung. Dass die Konzeption des Forums, die Moderation der Prozesse und die Supervision der Beteiligten in der Verantwortung derselben Beratungsagentur liegen, widerspricht gängigen Standards der Organisationsberatung. Diese Rollenmischung verhindert eine unabhängige Reflexion von Fehlentwicklungen und internen Konflikten.

Die erheblichen Spannungen innerhalb der Betroffenengruppe (auch wenn sie in dem o.g. Artikel nicht thematisiert werden, sind sie hinlänglich aus anderen Quellen bekannt) kann man auch als ein misslungenes Konfliktmanagement und eine unwirksame Supervision interpretieren. Wenn die Instanz, die den Prozess steuert, gleichzeitig für die psychologische Reflexion zuständig ist, entsteht eine „kontrollierte Partizipation“, die institutionelle Stabilität über die notwendige Klärung interner Dynamiken stellt.

3. Harmonie vs. Verbindlichkeit: Die Architektur des Scheiterns:

Wenn die Beraterin beklagt, dass Lösungen von den Landeskirchen wieder „aufgeschnürt“ werden, adressiert sie ein Problem, das in ihrem eigenen Modell angelegt ist. Sie hat ein Gremium entworfen, das auf „gemeinsame Orientierung“ setzt, aber im föderalen Gefüge der EKD keine Durchgriffsmacht besitzt. Die nun sichtbare Zersplitterung – etwa bei den Anerkennungsleistungen – ist somit wohl das Resultat eines Designs, das Harmonie über rechtliche Verbindlichkeit stellt.

4. Das Ende der politischen Kontinuität (Das Vakuum der Mentorenschaft):

Die Positionierung der Strategieberatung muss auch vor dem Hintergrund eines tiefgreifenden personellen Umbruchs gesehen werden. Mit dem Ruhestand des ehemals beauftragten Landesbischofs der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig für den Bereich Aufarbeitung im Juli 2025 hat die Beraterin ihren wichtigsten strategischen Mentor verloren. Dieser hatte als Sprecher des Beauftragtenrates der EKD über Jahre hinweg das Moderationsmodell politisch abgeschirmt.

Da mittlerweile auch die aktuelle Ratsvorsitzende der EKD ihre operative Rolle im BeFo-Vorsitz abgegeben hat, steht das Beratungsmodell vor einer neuen Realität. Die aktuelle Sprecherin des Beauftragtenrates ist nun mit einem System konfrontiert, das unter alten Vorzeichen entworfen wurde und nun droht unter dem Druck mangelnder politischer Durchsetzungskraft und einer intransparenten Informationspolitik seine Legitimationsbasis zu verlieren.

5. Das Transparenz-Paradoxon:

Es erscheint mir widersprüchlich, wenn die Strategieberatung im Interview Transparenz von der Kirche einfordert, während das Beteiligungsforum selbst eine „Blackbox“ bleibt. Transparenz bedeutet, dass Prozesse jederzeit nachvollziehbar sind – sie erschöpft sich nicht in punktuellen Formaten wie dem Forum-Bulletin. Wenn sich Betroffene und Außenstehende Informationen mühsam aus unregelmäßig erscheinenden Newslettern zusammensuchen müssen, anstatt auf ein klares, aktuelles Prozess-Handbuch zugreifen zu können, bleibt das System undurchsichtig.

Ein Bulletin, das zudem oft „kirchenterminlich“ verspätet erscheint, kann die notwendige Vertrauensbasis nicht schaffen. Dass die inhaltliche Grundlage des Forums bis heute (mein Wissensstand!) nur über veraltete Unterlagen wie die Power-Point-Präsentation von 2022 rekonstruierbar ist, belegt ein methodisches Defizit, für das die Prozessbegleitung eine direkte Mitverantwortung trägt. Es stellt sich (mir) die dringende Frage, ob dieses Konzept jemals systematisch auf seine Praktikabilität geprüft wurde, um Stolperstellen frühzeitig zu erkennen und nachzujustieren? Denn ein Gremium kann nur dann lernen und sich weiterentwickeln, wenn es bereit ist, Fehlentscheidungen und strukturelle Fehleinschätzungen transparent aufzuarbeiten.

Fazit:

Der Rückzug der Betroffenen-Sprecherin markiert das Ende einer Ära, in der meiner Meinung nach bloße Moderation mit echter Beteiligung verwechselt wurde. Das Beteiligungsforum benötigt im Februar 2026 keine weiteren Sitzungsschleifen auf veralteter Grundlage, sondern eine radikale strukturelle Erneuerung. Dazu gehören zwingend eine klare Trennung von Prozessbegleitung und Supervision sowie eine rechtlich verbindliche Absicherung der Beschlüsse gegenüber den Landeskirchen.

Ein bloßes „Weiter-so“ darf es nicht geben: Erforderlich sind eine grundlegende Überarbeitung und Aktualisierung des nunmehr vier Jahre alten Konzepts sowie eine Kommunikation, die diesen Namen verdient – transparent, zeitnah und über den internen Zirkel hinaus nachvollziehbar. Nur wenn Macht nicht nur moderiert, sondern wirksam geteilt wird, kann das Vertrauen in dieses Gremium wiederhergestellt werden.

 
Veröffentlicht : 13.02.2026 19:20
Steppenwolf hat reagiert
(@steppenwolf)
Beiträge: 15
Themenstarter
 
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Danke Rainer für Deinen Hinweis und die wie immer sehr ausführliche und fundierte Analyse. Der Vollständigkeit habe ich in meinen Beitrag die beanstandeten Passagen gelöscht und sofern nötig die Sätze ergänzt (in Rot), damit das Ganze wieder lesbar wird. Findet sich jetzt als Zitat weiter unten.Und ja ich habe jetzt Fragen:A) Gibt es ein (festes) Budget für die Aktivitäten des BeFos, das überhaupt zu erweitern wäre?B) Falls ja, würde das aktuelle Budget eine Erweiterung der Gruppe der Betroffenen überhaupt zulassen?Einen konkreten Vorschlag findet sich u.a. im Beitrag von heute morgen, den ich hier gerne zur Diskussion stelle!

Heute ist Freitag, der 13. Das Beteiligungsforum tagt – wie man bei einem privaten FB-Account liest - mit „Fokus auf Sachfragen und gemeinsame Orientierung“. Die Anreise war gestern, am „schmutzigen Donnerstag“.

Passend dazu erschien gestern ein Interview mit einer Strategieberaterin, die das Beteiligungsforum einst entworfen hat und es bis heute intensiv begleitet.

So steht im Konzept über diese Rolle:

„Prozessbegleitung, Moderation und Supervision haben keine eigenen Interessen in dem Prozess. Sie agieren unabhängig, begleiten und vernetzen die Beteiligten im Beteiligungsforum, wenn gewünscht auch in den Themen-AG.“

Im Interview heißt es weiter:

„Nicht alle hätten die Dramatik in diesem Handlungsfeld erkannt.“

Und weiter:

„Für die Betroffenenvertreter im Beteiligungsforum seien eine transparente Kommunikation und schnellere Entscheidungen besonders wichtig - auch in Bezug auf Ressourcen, die EKD und Diakonie bereitstellen müssten.“

Die Dramatik haben allerdings viele Betroffene sehr wohl erkannt – ebenso wie die Diskrepanz zwischen großen Ankündigungen und kleinteiliger Umsetzung. Paketlösungen werden geschnürt und andernorts wieder aufgeschnürt. Transparente Kommunikation? Die wäre tatsächlich hilfreich. Zum Beispiel in Form des regelmäßig erscheinenden Forum-Bulletins. Man liest, die Dezemberausgabe solle „in der zweiten Februarhälfte 2026“ erscheinen.

In der Beratung nimmt man üblicherweise Gap-Analysen zwischen SOLL und IST als Erfolgsmesser oder zur Bestimmung von Defiziten. Nach vier Jahren macht so ein Abgleich ja durchaus Sinn. Aber während selbst kleine Fördervereine veröffentlichte Geschäftsordnungen und Richtlinien (als SOLL-Vorgaben) online stellen …. ist man beim Beteiligungsforum (noch) auf das Konzept von 2022 angewiesen – in Form einer PowerPoint-Präsentation.

Beispielhaft zur Frage der Überlastung. Die Nochsprecherin des BeFos begründete ihren Rückzug letzte Woche u.a. mit hoher zeitlicher Belastung. Im gestrigen Interview hingegen die Forderung Betroffene brauchen Zugriff beispielsweise auf Geld für weitere Treffen“.

Ich frage mich deshalb

  • Mehr Geld für mehr Treffen!
  • Mehr Treffen für mehr Orientierung?
  • Mehr Orientierung für mehr Sachfragen?
  • Mehr ungelöste Sachfragen für noch mehr Sitzungen und Bahnkilometer.

Ein Blick in besagtes Konzept (Seiten 33–34), bringt aber Erhellung. Dort steht geschrieben:

„Die Betroffenenvertretung kann sich vergrößern, wenn dies gewünscht ist.“

Und weiter:

„Neue Mitglieder werden aus dem Kreis der Betroffenen gewonnen, z. B. über die Vernetzungsplattform.“ (S. 34).

„Wenn dies gewünscht ist.“ Ein bemerkenswert passiver Mechanismus für ein Gremium, das nach meinem Eindruck strukturelle Entlastung bräuchte. Offenbar ist der Wunsch bislang aber überschaubar – oder bleibt im vertrauten Kreis.

Dabei wäre die Idee gar nicht abwegig, externe Expertise oder engagierte Stimmen einzubinden – Menschen, die sich auch hier durch fundierte Beiträge, kluge Fragen und nachvollziehbaren Sachverstand empfehlen oder empfohlen haben.

Ein entsprechender Vorschlag meinerseits existiert. Kommentiert oder zurückgewiesen wurde er bislang nicht.Vielleicht wartet er auch noch auf die „gemeinsame Orientierung“.

Ab Mittwoch beginnt die Fastenzeit. Vielleicht eine gute Gelegenheit für ein neues Programm: weniger ICH,ICH,ICH – mehr WIR,WIR,WIR. Und da man in der Kirche mit dem Teilen traditionell vertraut ist: Man könnte Verantwortung teilen. Arbeit teilen. Informationen teilen. Und ja – auch Wissen und damit ein Teil der Macht.

Die Betroffenenvertreter*innen im BeFo könnten damit beginnen. Einfach.Mal.Machen!

Dieser Beitrag wurde vor 33 Minuten von Steppenwolf  geändert
Dieser Beitrag wurde vor 31 Minuten von Steppenwolf  geändert
Dieser Beitrag wurde vor 22 Minuten von Steppenwolf  geändert
 
Veröffentlicht : 13.02.2026 21:51
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