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AG BeNe
Ach, was für eine Überraschung: Eine Betroffenenvertreterin tritt zurück, weil sie emotional am Limit ist und die Aufarbeitung im Schneckentempo vorankriecht. Damit konnte nun wirklich niemand rechnen. Außer vielleicht alle, die in den letzten Jahren zugehört haben.
Vier Jahre lang Brücken bauen zwischen Menschen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, und einer Institution, die erst einmal prüfen muss, ob die Brücke auch mit der hauseigenen Rechtsabteilung kompatibel ist – das ist natürlich kein Ehrenamt mit Wellness-Faktor. Wer braucht schon weitere Beachtung, wenn man doch Protokolle abstimmen darf?
Besonders beruhigend ist, dass alles seine Ordnung hat. Es gibt Gremien. Und Untergremien. Und Arbeitsgruppen, die prüfen, ob andere Arbeitsgruppen schon geprüft haben. Beschlüsse werden gefasst, weitergereicht, regional angepasst, juristisch entkernt und am Ende in einer Form umgesetzt, die niemanden überfordert – außer die Betroffenen. Aber Hauptsache, es war „Beteiligung“ dabei. Alibi ist ja auch eine Form von Nähe.
„Einheitliche Standards“ sind in diesem System offenbar so etwas wie das Abendmahl: symbolisch stark, praktisch sehr unterschiedlich ausgelegt. Je nach Landeskirche mit Beilagen, Sonderklauseln oder spirituell-juristischen Zusatzprüfungen garniert. Und irgendwo sitzt dann eine Kommission und überlegt, ob es einem Menschen zumutbar ist, seinen Täter zu verklagen. Fremdbestimmung als Seelsorgeformat.
Dass nun schon die zweite Betroffenenstimme aus der ersten Reihe aussteigt oder pausiert, wird sicher sehr ernst genommen. Es folgt bestimmt ein tief bewegtes Statement, ein Dank für das „prägende Engagement“ und die Versicherung, man wolle die Kritik „als wichtigen Impuls“ verstehen. Impulse sind in der Kirche schließlich hochgeschätzt – vor allem, wenn sie nicht zu schnell zu Bewegung führen.
Der eigentliche Skandal ist ja nicht, dass die Sprecherin geht. Der Skandal ist, dass ihr Schritt so folgerichtig wirkt. Wenn selbst die Menschen, für die dieses ganze Konstrukt angeblich gebaut wurde, sagen: Ich kann nicht mehr – dann ist das kein Personalproblem.Dann ist das System die Baustelle. Und die steht leider immer noch unter kirchlicher Bauleitung: langsam, föderal und mit sehr viel Verständnis für Statik – aber erstaunlich wenig für die, die seit Jahren „unter den Trümmern“ warten.
Und ja, zur Ehrlichkeit gehört auch: Ein Teil der Kritik, die heute so treffend Richtung EKD zielt, klang für andere Betroffene früher schon vertraut – nur damals ging diese schon gegen ihr Agieren.
Wer oft laut anklagt, Fortschritte betont und jegliche Kritik mit Verweis auf „Betroffenenspaltung“ abbügelt, steht irgendwann vor dem Problem, dass Vertrauen keine Pressemitteilung liest.
Gut gemeint war sicher vieles. Aber „gut gemeint“ ist in der Aufarbeitung ungefähr so hilfreich wie „komplexe Lage“ – klingt verantwortungsvoll, ändert nur nichts an dem Punkt, an dem Menschen irgendwann dann sagen: Ich glaube Euch nicht mehr.
Als bitteres Fazit bleibt: Nicht die Sprecherin ist gescheitert und hat „hingeschmissen“ – ganz offensichtlich ist die Idee gescheitert, man könne mit so einem Beteiligungsforum, das weder Durchgriffsrechte noch echte Sanktionsmöglichkeiten hat, eine schwerfällige, föderale Großorganisation zur konsequenten Aufarbeitung oder den vielbeschworenen Kulturwandel zwingen.
Das BeFo künstlich als „zentrales Organ“ am Leben zu halten, wirkt inzwischen ein bisschen wie kirchliche Intensivmedizin für die Außenwirkung: Viel Gerät, viel Aufwand, viele warme Worte, aber die entscheidenden Vitalfunktionen liegen woanders. Zumal ja ständig betont wird, es sei schon „so viel angestoßen“ worden.
Angestoßen ist allerdings noch nicht umgesetzt – und schon gar nicht einheitlich, verbindlich, nachhaltig und überprüfbar.
Was es bräuchte, wäre kein weiteres Dialogformat und ein WeiterSo-BeFo, sondern ein „knallhartes Controlling“ mit echten Zähnen: Klare Fristen, transparente Berichte, unabhängige Kontrolle – und wirklich spürbare Konsequenzen, wenn Landeskirchen wieder eigene Sonderwege, Verzögerungstaktiken oder weichgespülte Umsetzungen erfinden.
Nur: Genau so ein Instrument existiert nicht. Und solange das so bleibt, bleibt auch die Aufarbeitung das, was sie für viele Betroffene seit Jahren ist – ein Prozess, der vor allem eines produziert: Pressemitteilungen, Versprechen, Enttäuschung und Erschöpfung.
Und zum Schluss ein Hinweis von Einstein dazu: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind!“
Der Abschied der „Lotzin": Eine Zäsur im Beteiligungsforum
Wie der Zufall es will, habe auch ich gestern der Presse entnommen, dass Nancy Janz das „BeFo-Schiff“ verlässt. Man könnte auch sagen: Nach gut dreieinhalb Jahren geht die „Lotzin" von Bord. Gemeinsam mit Detlev Zander übernahm sie mit dem offiziellen Start des Beteiligungsforums (BeFo) am 1. Juli 2022 die Rolle der Sprecherin der Betroffenengruppe und sie gilt als „Pionierin der ersten Stunde“ und war maßgeblich an der Konzeption des Forums beteiligt. Seitdem hat sie sich unermüdlich für die Belange von Betroffenen sexualisierter Gewalt im Kontext der evangelischen Kirche eingesetzt – dafür gebührt ihr großer Respekt und Dank!
Doch von außen betrachtet fühlt man sich mittlerweile jedoch unweigerlich an das Abzählreim-Prinzip erinnert: Von der ursprünglichen Besetzung der Gruppe der Betroffenen sind aktuell nur noch fünf Mitglieder übrig. Zwar stehen neue Aktive – derzeit noch als Gäste tituliert – in den Startlöchern, doch der personelle Aderlass ist unübersehbar. Man kann nur mutmaßen, dass es hinter den Kulissen auch um interne Machtkämpfe geht. Laut Nancy Janz entzündet sich die Kritik oft an fundamentalen Fragen: Wer ist legitimiert, zu sprechen? Wer ist kirchennah oder kirchenfern und somit vermeintlich unabhängiger? Wer hat „mehr" gelitten als andere? Dass es in der Gruppe bereits länger rumort, deutete sich bereits im September 2025 an, als Detlev Zander öffentlich mitgeteilt hat, sein Sprecheramt bis auf weiteres ruhen zu lassen, dem Gremium aber – im Gegensatz zu Janz – als Mitglied erhalten bleibt.
Ich persönlich bin bei der Lektüre verschiedener Pressemitteilungen an zwei Aussagen von Frau Janz hängengeblieben, die ein Schlaglicht auf die tiefen strukturellen Probleme werfen:
1. Das Kommunikations-Vakuum: Zwischen Unvermögen und Selbstaufgabe
In der taz (04.02.26) beklagt Nancy Janz: „In Sachen Kommunikation ist die EKD einfach wirklich schlecht. Wir müssen die Leute mitnehmen, ihnen nicht nur Ergebnisse mitteilen, sondern auch Fragestellungen, Entscheidungsgänge, Zwischenbilanzen. Aber das ist zäh, nicht eingeübt genug, da fehlt es an Transparenz."
Diese Analyse lässt mich nicht nur ratlos, sondern schlichtweg verärgert zurück. Man muss sich fragen: Ist das Selbstreflexion oder reine Schuldzuweisung? Wenn die EKD in der Kommunikation versagt, warum hat die Betroffenenvertretung dann nicht längst das Zepter selbst in die Hand genommen? Dass man das Feld der Öffentlichkeitsarbeit – und damit die gesamte Deutungshoheit – so kampflos der EKD überlassen hat, grenzt (für mein Empfinden!) an Arbeitsverweigerung. Wo blieb die eigene, laute und unabhängige Stimme des Gremiums, etwa auf ihrer Webseite?
Noch brisanter ist jedoch das Schweigen nach innen: Warum haben die Mitglieder der Vertretung – Frau Janz ausdrücklich eingeschlossen – den Dialog mit der eigenen Basis derart sträflich vernachlässigt? Es ist für mein Dafürhalten ein Armutszeugnis, dass engagierte und kritische Betroffene nachweislich ignoriert wurden, ihnen sogar wiederholt Betroffenenspaltung vorgeworfen wurde/wird, E-Mails unbeantwortet blieben und Kanäle wie BeNe weder zur Aufklärung noch für Berichte über Entscheidungsprozesse genutzt wurden/werden.
Von außen betrachtet drängt sich diesbezüglich ein bitteres Fazit auf: Die Betroffenenvertretung ist an dieser Stelle mit dem System der EKD ununterscheidbar verschmolzen. Sie hat es versäumt, ein eigenes, scharfes Profil zu entwickeln, und ist stattdessen im bürokratischen Nebel der Kirche untergetaucht. Wer Transparenz von der Kirche fordert, sie aber gegenüber den eigenen Leuten verweigert, verliert mit der Zeit (sorry to say) jede Glaubwürdigkeit.
2. Die zögerliche Selbsterkenntnis: Ein „Vielleicht“ als Offenbarungseid
Die zweite Aussage von Frau Janz (aus chrismon vom 04.02.26) zur Zukunft des Forums wirkt (für mich) wie ein schlechter Scherz: „Vielleicht braucht das Beteiligungsforum nach vier Jahren neue Energie, neue Gesichter und eine Evaluation. Wir haben ja immer gesagt, das BeFo sei ein lernendes System.“
Bei diesem „Vielleicht“ möchte man laut aufschreien. Dass dieses System auf sehr wackeligen Planken (um im Bild zu bleiben) steht, steht außer Frage – und zwar nicht erst seit gestern! Z. B. ist die Kritik an der Zusammensetzung der Gruppe der Betroffenen im Befo ein Dauerbrenner, der bis jetzt schlicht ignoriert wurde. Von einer demokratischen Wahl der Betroffenenvertreter konnte und kann keine Rede sein; es bleibt das Bild eines exklusiven Zirkels. Auch der kosmetische „Gast-Status“ für Neuzugänge ändert nichts an der Tatsache, dass für die breite Masse, der nicht organisierten Betroffenen, völlig schleierhaft bleibt, auf welcher Grundlage diese Personen überhaupt mandatiert wurden/werden. Wo ist die demokratische Basis?
Ebenso verhöhnt der Begriff der „Evaluation“ die Realität. Das Wort Evaluation (oder Evaluierung) stammt vom französischen évaluer bzw. dem lateinischen valere ab und bedeutet wörtlich übersetzt: Auswertung, Bewertung oder Begutachtung.
Im Kern geht es darum, den Wert, die Qualität oder den Erfolg einer Sache (z. B. eines Projekts oder eben eines Gremiums wie des BeFos) sachlich und systematisch zu beurteilen.
Die drei wichtigsten Aspekte einer Evaluation:
- Bestandsaufnahme: Was wurde konkret im Zeitraum X erreicht?
- Bewertung: Waren die Maßnahmen wirksam, effizient und nachhaltig?
- Lerneffekt: Was muss man in der Zukunft ändern (das „lernende System“)?
Von einer echten, kritischen Prüfung kann aber keine Rede sein. Ich zumindest kann mich an keinen einzigen fundierten Rechenschaftsbericht erinnern, der mich als Betroffenen darüber in Kenntnis gesetzt hätte, was die Betroffenenvertretung – und vor allem wieso, weshalb, warum – in den letzten dreieinhalb Jahren verlässlich und nachhaltig bewegt hat. Hier schließt sich der Kreis zum Kommunikationsversagen: Ein „lernendes System“, das die Rechenschaft gegenüber seiner eigenen Basis verweigert, lernt nicht – es stagniert in der Selbstreferenzialität.
Mein Fazit: Die „Lotzin" geht von Bord und hinterlässt ein Schiff in extrem unruhiger See. Doch wie schon eine alte chinesische Weisheit sagt: „Nicht der Wind, sondern das Segel bestimmt die Richtung". Es bleibt also abzuwarten, ob die neue Mannschaft nun endlich den Mut aufbringt, das Steuer selbst in die Hand zu nehmen und einen eigenen Kurs zu setzen – oder ob sie weiterhin als profilloses Beiboot im Kielwasser der EKD mitschwimmt.
Auf den Punkt, wenn nicht ein Austausch mit den Betroffenen der Landeskirchen und Diakonie stattfindet, das Befo eine Selbstdarsteller einiger weniger ist , dann stellt sich doch die Frage , für wen ist das Befo gut...die Anerkennungsleistungen funktionieren nicht , die Aufarbeitung schon gar nicht ,wo sieht man den Anwendungskatlog...alles geheim und unterliegt der Schweigepflicht....ist das im Sinne aller Betroffenen????
Ich will jetzt auch wissen was machen die anderen. Weil das mit Nancy Jan finde ich gut. Die hat Rückrad. Und von den anderen will ich das auch sehen!! Wir wollen uns nicht länger so behandeln lassen und Nancy Janz hat das richtig gemacht!!!
Guten Morgen Walter und alle, die sich hier mit berechtigten Fragen und Anmerkungen zu Wort melden.
Auch ich habe lange geschwiegen, weil jegliche Kritik hier bei als Spaltung und BeFo-Schelte abgetan wurde. Aber jetzt reicht es, insbesondere wenn man hört und liest, was in den letzten Wochen passiert bzw. nicht passiert ist! Und nein, es geht mir nicht um einzelne Personen in dem Gremium, sondern um das Konstrukt, das so innerhalb der Institution verwoben und verstrickt ist, dass es schon von Beginn zum Scheitern verurteilt war. Ob mit Absicht oder aus Naivität? Egal, denn für mich zählen nicht die Anzahl der Treffen, Abstimmungen oder Bahnkilometer der Akteuere, sondern sichtbare Ergebnisse im Sinne aller Betroffenen. Aber wie konkret sind die Ergebnisse der letzten Tage?
Das Beteiligungsforum sexualisierte Gewalt sei arbeitsfähig, heißt es vom ehemaligen BeFo-Betroffenensprecher. Acht Betroffene würden dort zusammenarbeiten, nicht nur reagieren, sondern gestalten. Acht oder sieben oder sind es doch nur noch fünf?Man sei ein politisches Gremium, kein Gesprächskreis. Man beeinflusse Strukturen, fordere Verantwortung ein, ermögliche Veränderungen. Aufarbeitung sei zukunftsgerichtet, institutionell gedacht, präventiv wirksam. Viel erreicht, viel angestoßen, ein lernender Prozess mit Wirkung.
Das klingt gut. Wirklich. Fast so gut, dass man kurz vergisst, auf die harte Realität zu schauen.
Denn wenn dieses Gremium so arbeitsfähig ist – warum bekommt es dann nicht einmal eine gemeinsame öffentliche Stellungnahme hin, wenn zentrale Fragen zum medialen Beben bezüglich des Rücktritts der aktuellen Sprecherin oder der „neuen Anerkennungsrichtlinien“ im Raum stehen? Ein politisches Gremium, das Strukturen verändern will, sollte doch zumindest in der Lage sein, einen abgestimmten Text zu veröffentlichen. Oder scheitert institutionelle Aufarbeitung schon am gemeinsamen Google-Doc? Oder an der langwierigen Abstimmung mit den PR- , Rechts- und Marketingabteilungen bis hin zur studentischen Hilfskraft im Kirchenamt der EKD?
Stattdessen tauchen relevante Aussagen in privaten Social-Media-Posts von Mitgliedern auf. Nicht auf den offiziellen Seiten des Beteiligungsforums. Nicht gebündelt, nicht transparent, nicht auffindbar für die meisten Betroffenen. Wer Informationen sucht, muss offenbar Social-Media-Detektiv spielen. Institutionelle Verantwortung per Timeline – ist das dieses neue „politische Gremium“, von dem immer die Rede ist?
Und während öffentlich betont wird, wie gestaltend und wirksam man arbeite, warten Betroffene z. B. seit Dezember auf ein angekündigtes Bulletin. Ein Bulletin? Kein Grundsatzpapier, kein Strukturreformgesetz – ein Informationsformat. Wenn schon diese niedrigschwellige Kommunikation monatelang nicht zustande kommt, wie belastbar ist dann die Behauptung, man gestalte auf struktureller Ebene Zukunft?
Besonders aufschlussreich wird es beim erwähnten Thema Anerkennungsrichtlinie. Auf konkrete Nachfragen heißt es sinngemäß: Wendet euch bitte an die Geschäftsstellen der Kommissionen. Also genau an jene Stellen, deren Verfahren, Maßstäbe und Transparenz seit Jahren in der Kritik stehen. Das Beteiligungsforum als politisches Strukturorgan verweist zurück in die Verwaltungsschleife. Gestaltung durch Weiterleitung!
Und wie bereits mehrfach gefragt,wo bleibt eigentlich der groß angekündigte Anhaltskatalog – jene tragende und verheißungsvolle Säule des angeblich „einheitlichen Vorgehens“? Der Maßstäbe vergleichbar, Entscheidungen nachvollziehbar und Leistungen berechenbarer machen sollte? Wenn institutionelle und vergleichbare Anerkennung mehr sein soll als ein Wort, dann wäre doch genau so ein Instrument die Basis. Stattdessen: Funkstille. Aber die Zukunftsorientierung ist bestimmt schon unterwegs.
Natürlich ist Aufarbeitung komplex. Natürlich ist Gremienarbeit mühsam. Natürlich besonders mühsam bei der EKD. Und natürlich ist das seit langem bekannt!
Aber zwischen „schwierig“ und „nicht sichtbar“ liegt ein Unterschied. Und zwischen „lernender Prozess“ und „kommunikativer Dauerbaustelle“ auch.
Wenn das Beteiligungsforum wirklich das politische Strukturorgan ist, als das es mantraartig beschrieben wird, dann müsste man das außerhalb von individuellen Interviews und Einzelposts auch merken.
An klaren Positionierungen auch in schwierigen Situationen.
An transparenter und verständlicher Kommunikation.
An verlässlichen Informationen.
An gemeinsam getragenen Aussagen.
Sonst bleibt am Ende vor allem ein Eindruck: Arbeitsfähig auf dem Papier – und sprachlos oder gar ohnmächtig, sobald es konkret wird. Und das ist ausgerechnet bei einem Gremium, das Transparenz und Verantwortungsübernahme stärken soll, mehr als nur ein Schönheitsfehler. Merkt Ihr selbst, oder?
Guten Morgen Steppenwolf und vielen Dank für deine sehr lesenswerten Beiträge.
Wie der Zufall es will, habe ich heute Morgen auf Facebook einen Beitrag des Sprechers (der sein Amt bis auf weiteres ruhen lässt) der Betroffenengruppe im Befo gelesen, der, wie ich finde, sehr gut zu deinem letzten Beitrag passt:
„Viele Angriffe entstehen aus einem Missverständnis: Beschlüsse des BeteiligungsForums seien nur legitim, wenn vorher alle Betroffenen gefragt wurden.
So funktioniert institutionelle Aufarbeitung sexualisierte in der Evangelischen Kirche von Deutschland und Diakonie Deutschland nicht.
Beteiligung heißt: an Regeln und Verfahren mitwirken, und nicht individuelle Zustimmung einholen.
Wer erwartet das Entscheidungen nur gelten, wenn sie im eigenen Sinne sind, macht Betroffene im Gremium zu Stellvertreter und greift sie dann an. Das verkennt den Auftrag.
Der Konflikt liegt nicht bei den Beteiligten. Es liegt im Spannungsfeld zwischen individueller Betroffenheit und institutioneller Entscheidungslogik.“
I. Dazu meine Gedanken:
Die Verteidigung des BeteiligungsForums (BeFo) offenbart ein problematisches Verständnis von Legitimität. Wenn behauptet wird, Kritik an Beschlüssen beruhe auf einem „Missverständnis“ der institutionellen Logik, wird eine demokratische Leerstelle durch bürokratische Arroganz gefüllt.
1. Das Repräsentations-Vakuum
Echte institutionelle Aufarbeitung erfordert ein Mandat. Da die Betroffenenvertreter im BeFo jedoch nicht aus freien, transparenten Wahlen der Basis hervorgegangen sind, fehlt ihnen die demokratische Erdung. Ohne diese Wahl agiert das Gremium als selbstreferenzieller, elitärer Zirkel. Wer sich ohne breite Rückkopplung zum Sprecher einer heterogenen Gruppe erklärt, darf sich über den Vorwurf der mangelnden Legitimität nicht wundern.
2. Die Falle der Co-Optation (Vereinnahmung)
Der entscheidende Webfehler im System des BeFo lässt sich soziologisch als Co-Optation beschreiben: Die Institution (EKD/Diakonie) bindet potenzielle Kritiker*innen so eng in ihre eigenen Strukturen und „Entscheidungslogiken“ ein, dass deren Unabhängigkeit faktisch verloren geht. (Siehe mein Bild von gestern von dem Beiboot im Kielwasser der EKD!)
- Durch die Einbindung in exklusive Verfahren werden Betroffene Teil des Apparats, den sie eigentlich kontrollieren sollten.
- Sie übernehmen die Sprache, die Zwänge und die Verteidigungsstrategien der Institution.
- Das Ergebnis ist eine Neutralisierung des Protests: Die gewählten Verfahren dienen dann eher dem Schutz der Institution vor Unruhe als der rückhaltlosen Aufklärung für die Betroffenen an der Basis.
3. Schutzschild-Strategie statt Verantwortlichkeit
Den Vorwurf, Kritiker*innen würden Betroffene im Gremium „angreifen“ oder zu „Stellvertreter*innen“ machen, muss man als rhetorische Umkehrung entlarven. Hier wird die individuelle Betroffenheit der Gremienmitglieder als moralischer Schutzschild missbraucht, um strukturelle Kritik an der mangelnden Basis-Demokratie abzuwehren.
- Wer Macht innerhalb eines institutionellen Rahmens ausübt, muss sich an demokratischen Standards messen lassen.
- Sich bei Kritik hinter der eigenen Betroffenheit zu verschanzen, ist ein Privileg des elitären Zirkels, das der restlichen Basis verwehrt bleibt.
4. Entfremdung von der Basis
Wenn Beteiligung nur noch als „Mitwirken an Regeln“ definiert wird, während die „individuelle Zustimmung“ der Betroffenen als vernachlässigbar gilt, ist das Ziel der Aufarbeitung verfehlt. Ein Verfahren, das die Betroffenen nur als abstrakte Kategorie in einer „Entscheidungslogik“ mitdenkt, aber ihre realen Stimmen ignoriert, produziert eine Zwei-Klassen-Aufarbeitung: Eine für die Gremien-Elite, die mit am Tisch sitzt, und eine für die schweigende Masse, deren Einverständnis einfach vorausgesetzt wird.
Fazit: Das BeteiligungsForum droht zu einem Instrument der Systemerhaltung zu werden. Solange es keine echten demokratischen Wahl- und Rückkopplungsprozesse gibt, bleibt das Gremium ein Akt der Co-Optation – eine Form der Beteiligung, die Kritik eher verwaltet als ihr Gehör verschafft. Wahre Legitimität erwächst nicht aus der Treue zu institutionellen Verfahren, sondern aus dem Vertrauen derer, die man zu vertreten vorgibt.
II. Und damit nicht wieder der altbekannte Vorwurf in Richtung der Kritiker*innen laut wird - außer Kritik kommt nix- hier ein paar konkrete und konstruktive Vorschläge für eine ECHTE Demokratisierung:
1. Demokratisches Mandat statt institutioneller Ernennung
- Transparente Wahlverfahren: Die Entsendung von Betroffenenvertretern darf nicht durch die Institution oder durch Kooptation innerhalb bestehender Gruppen erfolgen. Es müssen Verfahren (z.B. Online-Wahlen oder regionale Delegiertenkonferenzen) etabliert werden, die der gesamten Basis der Betroffenen eine Stimme geben.
- Befristung und Rotation: Um die Bildung geschlossener Zirkel zu verhindern, müssen Mandate zeitlich klar begrenzt sein. Eine automatische Verlängerung ohne erneute Legitimierung durch die Basis ist auszuschließen.
2. Verbindliche Rückkopplungsschleifen
- Rechenschaftspflicht: Mitglieder der Gruppe der Betroffenen im BeFo müssen der Basis regelmäßig über ihre Arbeit berichten. Dies darf nicht nur über einseitige Pressemitteilungen geschehen, sondern erfordert offene Foren (analog oder digital) für Rückfragen und Kritik.
- Veto-Rechte bei Grundsatzentscheidungen: Bei weitreichenden Beschlüssen, die die Rechte aller Betroffenen betreffen, muss ein Konsultationsverfahren vorgeschaltet werden, das über das bloße „Mitwirken an Regeln“ im Gremium hinausgeht.
3. Aufbrechen der „Institutionellen Entscheidungslogik“
- Unabhängiges Monitoring: Ein externes, wissenschaftliches Monitoring muss untersuchen, inwieweit die Gruppe der Betroffenen innerhalb des BeFos bereits durch institutionelle Logiken vereinnahmt wurde (Co-Optation-Check).
- Eigene Ressourcen-Hoheit: Die Betroffenen-Basis benötigt ein eigenes Budget und eine eigene Infrastruktur (unabhängig von EKD-Apparaten), um sich selbst zu organisieren und ihre Vertreter kritisch zu begleiten.
4. Transparenz der Prozesse
- Offenlegung von Entscheidungsgrundlagen: Protokolle und Entscheidungsgrundlagen müssen – unter Wahrung des Datenschutzes – für alle Betroffenen zugänglich sein. „Geheimverhandlungen“ hinter verschlossenen Türen widersprechen dem Geist der Aufarbeitung.
- Definition von Augenhöhe: Es muss klar definiert werden, wie „Augenhöhe“ sichergestellt wird, wenn eine Seite (die Institution) über die Ressourcen und die rechtliche Macht verfügt, während die andere Seite (die Betroffenen) oft ohne demokratisches Mandat agiert.
Abschlussnote: Beteiligung ist kein Selbstzweck und kein Gnadenakt der Institution. Sie ist das Werkzeug zur Wiederherstellung von Gerechtigkeit. Werden die Vertreter nicht von der Basis gewählt, vertreten sie nicht die Betroffenen – sie beraten lediglich die Institution.
ICH fordere den Übergang von der inszenierten Beteiligung zur echten Mitbestimmung!
Und noch soon Zufall, dass ich gerade diesen Facebook-Beitrag besagten Sprechers (im Ruhemodus) gelesen habe:
"Emotionen sind der Ausgangspunkt, aber sie dürfen das Steuer nicht übernehmen. Wer institutionelle Aufarbeitung fordert, muss auch bereit sein, Strukturen und Verfahren mitzutragen, auch dann wenn sie nicht der eigenen emotionalen Sicht folgen.
Das BeteiligungsForum sexualisierter Gewalt ist kein persönlicher Resonanzraum, sondern ein politisches Arbeitsgremium. Wer es permanent personalisiert oder bekämpft schwächt am Ende die Interessen vieler Betroffenen selbst. Emotion begründet institutionelle Aufarbeitung. Struktur ermöglicht sie."
Dieser Beitrag ist aus meiner Sicht ein Paradebeispiel für eine instrumentelle Sachlichkeits-Forderung, die darauf abzielt, Kritik durch die Abwertung von Emotionen zu delegitimieren. Er setzt eine künstliche Trennung zwischen „vernünftiger Struktur“ und „störender Emotion“ voraus, die in der Aufarbeitung von Unrecht fatal ist.
Meine Analyse dazu: Wer die „Emotion“ ausschließt, begräbt die Wahrheit
Die Forderung, das BeteiligungsForum (BeFo) als rein „politisches Arbeitsgremium“ zu betrachten und Emotionen vom „Steuer“ zu verbannen, verkennt die Realität der Aufarbeitung. Hinter dem Aufruf zur Sachlichkeit verbirgt sich eine gefährliche Disziplinierung derjenigen, die nicht Teil des Gremiums sind.
1. Sachlichkeit als Schweigegebot
Zu behaupten, Kritik an den Strukturen sei lediglich „emotionale Sicht“, ist ein rhetorischer Entmündigungsversuch. Wenn Betroffene an der Basis z. B. die mangelnde demokratische Legitimation der Gruppe der Betroffenen im BeFo kritisieren, ist das keine emotionale Aufwallung, sondern eine strukturelle Analyse. Wer diese Kritik als „Personalisierung“ abtut, nutzt Sachlichkeit als Vorwand, um sich einer inhaltlichen Debatte über Macht und Exklusivität zu entziehen.
2. Die Institution ist kein neutraler Partner
Der Beitrag verlangt, man müsse bereit sein, „Strukturen und Verfahren mitzutragen“. Dabei wird ignoriert, dass genau diese „institutionelle Entscheidungslogik“ über Jahrzehnte den Missbrauch und dessen Vertuschung ermöglicht hat.
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Von Betroffenen zu fordern, sie müssten sich nun dieser Logik unterwerfen, ist eine institutionelle Übergriffigkeit.
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Ein Gremium, das die Logik der Institution über die Wahrhaftigkeit des Leids stellt, hat den Weg der Aufarbeitung bereits verlassen und den Weg der systemerhaltenden Verwaltung eingeschlagen.
3. Die Gefahr der bürokratischen Kälte
Die Trennung zwischen „Emotion begründet“ und „Struktur ermöglicht“ klingt nach sauberer Verwaltung, ist aber in der Praxis ein Trennungsschmerz-Instrument. Wenn das BeFo kein „Resonanzraum“ mehr sein will, verliert es die Verbindung zu dem Unrecht, das es eigentlich aufarbeiten soll.
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Aufarbeitung ist kein technokratischer Akt wie eine Steuerreform.
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Wenn die Struktur die Emotion nicht mehr aushält, wird sie zur Fassade, hinter der die Institution ihre Ruhe vor den Betroffenen sucht.
4. Solidarität ist kein Gehorsam
Die Warnung, Kritik würde die „Interessen vieler Betroffener schwächen“, ist ein manipulatives Argument. Es konstruiert eine falsche Loyalitätspflicht gegenüber einem Gremium (der Gruppe der Betroffenen), das sich seine Legitimität nie durch die Wahl der Basis abgeholt hat.
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Nicht die Kritik schwächt die Betroffenen, sondern ein elitärer Zirkel, der sich von der Basis entkoppelt und deren Schmerz als „störende Emotion“ für den politischen Betrieb definiert.
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Echte Interessenvertretung braucht Reibung und Rückkopplung, kein blindes Mittragen von Verfahren.
Mein Fazit: Wer verlangt, dass Aufarbeitung nur nach den Regeln der Institution funktioniert, betreibt keine Heilung, sondern Schadensbegrenzung für die Kirche. Ein BeteiligungsForum, das die Emotionen der Basis als „Gefahr am Steuer“ sieht, hat vergessen, wer das Fahrzeug überhaupt erst angeschoben hat. Wir brauchen keine bürokratische Befriedung, sondern eine demokratische Beteiligung, die den Schmerz der Betroffenen als Kompass nutzt, statt ihn als Störfaktor auszugrenzen.
Technische Anmerkung: Der Editor hier ist nach wie vor eine Zumutung!
Nachtrag: Mehr Beteiligung wagen! Ich wünsche mir eine lebhafte Debatte aller User*innen hier. Wenn schon, dann sollte BeNe der Ort sein, an dem die Vielfalt der Betroffenen-Basis sichtbar wird – jenseits von Gremien-Logik. Kritisch, kontrovers, lösungsorientiert und respektvoll: Nur so bleiben wir wirklich im Gespräch und verhindern, dass Aufarbeitung über unsere Köpfe hinweg verwaltet wird.
Hallo Walter,Das Beteiligungsforum hat eine strahlende Zukunft vor sich. Wirklich. Man muss nur die Erwartungen richtig einstellen. Sehr, sehr niedrig.
Denn natürlich wird jetzt alles besser. Vielleicht mit neuen Gesichtern. Neuen Namen. Neuen Arbeitsgruppen. Das Grundproblem bleibt zwar unangetastet – aber dafür gibt es frischen Kaffee in den Sitzungen.
Wir haben ja gelernt: Die „richtige Musik“ spielt in den Landeskirchen. Die EKD hat ungefähr so viel Durchgriff wie ein Automobilclub, wenn seine Mitglieder bei Rot über die Ampel fahren. Man kann freundlich bitten. Man kann Empfehlungen schreiben. Man kann betroffen gucken. Und wenn sich jemand nicht dran hält? Dann gibt’s vermutlich einen runden Tisch, ein Gesprächsangebot und den Hinweis, dass man „im Austausch bleiben“ möchte.
Anerkennungsrichtlinie? Gemeinsame Erklärung mit der UBSKM? Nette Deko. Wenn eine Landeskirche ausschert, ist das halt so. Föderalismus ist schließlich auch eine spirituelle Übung in Geduld. Und im schlimmsten Fall heißt es: „Das tut uns unendlich leid“, gefolgt von einer Erklärung, die so schief ist, dass man kurz auf den Kalender schaut und feststellt, dass schon wieder Karneval ist.
Und das Beste: Am Ende kann man immer sagen, Betroffene seien beteiligt gewesen. Alibi mit Tagesordnungspunkten. Haken dran. Legitimation hergestellt. Die ehemalige Sprecherin hat es ja schon auf den Punkt gebracht: Man sitzt mit am Tisch – nur leider nicht da, wo entschieden wird.
Die eigentliche Stärke des BeFo liegt aktuell woanders: Es produziert das gute Gefühl, etwas getan zu haben. Für Pressemitteilungen. Für Berichte. Für Interviews. Für medienwirksame Auftritte bei Synoden, vorbereitet und abgestimmt sogar mit einer eigenen AG. Für Gewissensberuhigung in kirchenleitenden Etagen. Verantwortung zum Mitnehmen, aber bitte ohne Durchgriff und jegliche Druckmittel.
Kurz gesagt: Die Zukunft des BeFo ist wohl gesichert.Als „Feigenblatt“ mit abgestimmter Geschäftsordnung . Merkt ihr jetzt nach zwei „Bruchlandungen“ doch selbst, oder?
Hallo RainerDanke für Deine sehr fundierten und ausführlichen Analysen. Vielleicht wird das an entsprechender Stelle auch gelesen und sogar beachtet. Man kann es ja nur hoffen.
Ich habe übrigens aufgegeben, die besagten Posts bei Instagram und FB verstehen zu wollen, die teilweise an mit Steganografie versteckte Geheimnachrichten in normal klingenden Texten erinnern. Kennt man ja aus alten Agentenfilme oder den Romanen von Dan Brown wie „Angels & Demons“.Fehlt jetzt nur noch der geheime Schlüssel zum dechiffrieren! Spannend! P.S.: Aus Wikipedia ein Beispiel
„Schickt Alice Bob dagegen eine Nachricht in Form eines (belanglosen) Gedichts(!), bei dem die Anfangsbuchstaben der Zeilen hintereinander gelesen die eigentliche Nachricht bilden, so kann der außenstehende Walter zwar sehen, dass Alice Bob eine Nachricht sendet, der Inhalt, den Walter wahrnimmt, entspricht aber nicht der relevanten Nachricht von Alice an Bob. Die Wahrscheinlichkeit, dass Walter die Nachricht verändert oder blockiert, ist mangels Interesse gering. Dies ist Steganographie.“
Hallo Steppenwolf , du hast natürlich vollkommen Recht, die EkD hasst negative Schlagzeilen, was ist dann besser geeignet, als Betroffene, die sich einordnen, abnicken und nach aussen jammern, weil sie plötzlich nicht mehr im Mittelpunkt stehen.
Meine volle Hochachtung für die , die zwischenzeitlich nach langer Zermürbung das Spiel nicht mehr mitmachen. Ich hoffe nur , dass das Befobnicht wieder die alten Selbstdarsteller an die Front schicken, dass wäre eine Ohrfeige für alle Betroffenen
Für die ehemaligen Heimkinder läuft die Zeit....
@steppenwolf Guten Morgen Steppenwolf!
Wie der Zufall es will, habe ich heute Morgen erst den gestrigen Beitrag des Sprechers (im Ruhemodus) der Gruppe der Betroffenen im Befo auf FB gelesen und dann deine Antwort an mich von gestern Abend hier auf BeNe. Deinen Vergleich mit der Agentensprache fand ich sehr amüsant, er greift aber für mein Empfinden etwas zu kurz. Besagter Sprecher (im Ruhemodus) verfügt über eine gewisse Sichtbarkeit und Reichweite – zumindest innerhalb seiner Anhängerschaft – und nimmt dadurch faktisch die Rolle eines Sprachrohrs für Betroffene ein. Als selbst Betroffene(r), der/die auf FB leider nicht direkt mit ihm kommentieren kann, möchte ich daher zumindest hier die Gelegenheit nutzen, auf einige seiner Beiträge zu reagieren, um diese nicht unwidersprochen im Raum stehen zu lassen:
Es geht konkret um diesen Beitrag von ihm:
„Die vergangenen Tage waren geprägt von einer intensiven und emotionalen Debatte. Das ist nachvollziehbar. Viele Betroffene sind ungeduldig, viele ärgern sich und das zu Recht.
Gerade deshalb ist es jetzt wichtig, wieder zur Sachlichkeit zurückzufinden.
Das Beteiligungsforum ist als gemeinsamer Arbeitsrahmen angelegt. Betroffene, @ekd und @diakonie_deutschland dort ihre jeweiligen Perspektiven ein, beraten über längere Zeit, wägen ab und ringen um tragfähige Lösungen. Ergebnisse entstehen dabei selten schnell oder öffentlich sichtbar, sondern durch kontinuierliche, oft mühsame Arbeit.
Die Strukturen im BeteiligungsForums stehen. Sie sind gemeinsam entwickelt worden und tragen. Überlastung entsteht nicht automatisch durch diese Strukturen, sondern dort, wo sehr viel Verantwortung gleichzeitig übernommen wird, häufig neben beruflichen und privaten Verpflichtungen. Das kann passieren und verdient Respekt.
Gleichzeitig gehört zur Arbeit in solchen Gremien auch die eigene Verantwortung. Zu prüfen, was leistbar ist, Aufgaben zu teilen oder auch abzugeben, ist Teil dieses Engagements.
Der Sache nicht gerecht werden hingegen pauschale Bewertungen oder personalisierte Zuschreibungen. Kritik ist notwendig und legitim, sie sollte sich jedoch auf Inhalte, Verfahren und Ergebnisse beziehen – nicht auf einzelne Personen. Das gilt unabhängig davon, ob man selbst in Gremien mitarbeitet oder von außen auf die Prozesse blickt.
Denn am Ende stellt sich eine nüchterne Frage: Was wären die Konsequenzen, wenn die gemeinsame Arbeit grundsätzlich in Frage gestellt wird? Verzögerungen, Stillstand und erneute Unsicherheit. Und damit längere Wartezeiten auf Anerkennung, auch auf finanzielle Anerkennung.
Das kann nicht das gemeinsame Ziel sein. Jetzt geht es darum, den Blick nach vorne zu richten, das Erarbeitete verantwortungsvoll weiterzuführen und gemeinsam dafür zu sorgen, dass Aufarbeitung insgesamt Wirkung entfaltet."
Meine Einschätzung dazu:
Die Stellungnahme beginnt mit einem vertrauten Ton: Intensive und emotionale Debatten seien nachvollziehbar, Ungeduld und Ärger vieler Betroffener sogar „zu Recht“. Umso wichtiger sei es nun, wieder zur Sachlichkeit zurückzufinden. Damit wird ein bekanntes Muster bedient: Emotionen werden anerkannt, um sie anschließend zu begrenzen. Betroffenheit ist erlaubt – solange sie den Prozess nicht stört.
Auffällig ist dabei weniger der Inhalt als die Perspektive, aus der er formuliert ist. Der Text stammt, wie gesagt, vom Sprecher (im Ruhemodus) der Betroffenenvertretung im Befo, verwendet jedoch durchgehend jene Sprache und Deutungsmuster, die Betroffene seit Jahren aus Stellungnahmen der EKD kennen. Wo eine betroffenenorientierte Sicht zu erwarten wäre, erscheint eine institutionelle Rahmung – inklusive ihrer bekannten Beruhigungs- und Disziplinierungsformeln. Das ist (für mein Empfinden) klassisches institutionelles Gaslighting: Die emotionale Reaktion auf strukturelle Gewalt wird als Problem markiert – nicht die Struktur selbst.
Das Beteiligungsforum wird von ihm als tragfähiger, gemeinsam entwickelter Arbeitsrahmen beschrieben, in dem Ergebnisse naturgemäß Zeit brauchen und selten öffentlich sichtbar seien. Diese Darstellung erklärt zuverlässig, warum Geduld erforderlich ist. Dass Zeit für viele Betroffene kein neutraler Faktor ist, sondern konkrete gesundheitliche und existenzielle Folgen hat, bleibt dabei unbeachtet.
Besonders deutlich wird für mich die institutionelle Perspektive in der Darstellung von Überlastung. Diese entstehe, so heißt es, nicht durch Strukturen, sondern dort, wo zu viel Verantwortung gleichzeitig übernommen werde. Belastung erscheint damit als individuelles Organisationsproblem (Victim Blaming light!), nicht als Ergebnis struktureller Rahmenbedingungen. Dass viele Betroffene Verantwortung nicht aus Überengagement, sondern aus Mangel an Alternativen übernehmen, wird ausgeblendet.
Diese Einordnung wirkt umso irritierender vor dem Hintergrund, dass der Verfasser an gleicher Stelle (FB) wiederholt von eigener massiver Überlastung berichtet – bis hin zu notwendigen Klinikaufenthalten. Wenn Überlastung jedoch primär als Folge individueller Verantwortungsübernahme verstanden wird und durch Selbststeuerung lösbar sein soll (und zwar bevor es zu einem Klinikaufenthalt kommt!), stellt sich die Frage, warum diese Logik für andere Betroffene gelten soll, nicht aber für die eigene Situation? Dieser doppelte Maßstab bleibt im Text unreflektiert. Vielmehr ist die unausgesprochene Botschaft dahinter: „Meine Überlastung ist nachvollziehbar. Eure Überlastung ist ein Organisationsproblem eurerseits.“
Der anschließende Appell an die „eigene Verantwortung“ fügt sich folgerichtig ein. Belastungsgrenzen zu prüfen und Aufgaben abzugeben wird als selbstverständlicher Teil des Engagements beschrieben. Dass genau dieses Zurückziehen in Beteiligungsprozessen häufig mit dem Verlust von Einfluss, Sichtbarkeit oder Mitsprache einhergeht, bleibt auch unerwähnt.
Auch der Umgang mit Kritik wird klar begrenzt: Kritik sei legitim – solange sie sich auf Inhalte, Verfahren und Ergebnisse beschränkt und nicht personalisiert wird. In komplexen Machtstrukturen ist jedoch selten eindeutig, wo strukturelle Kritik endet und als unzulässige Zuschreibung gelesen wird. Diese Unschärfe wirkt nicht zufällig, sondern schützt vor allem jene, die über Macht verfügen. Ich persönlich empfinde dies als Delegitimierung von Kritik und gleichzeitig wird eine Art Kontrolllinie gezogen.
Besonders aufschlussreich ist schließlich die Frage nach den Konsequenzen, falls die gemeinsame Arbeit grundsätzlich in Frage gestellt werde. Die genannten Folgen – Verzögerungen, Stillstand und längere Wartezeiten auf Anerkennung, auch auf finanzielle Anerkennung – machen deutlich, wo die Grenze verläuft. Kritik am System ist möglich, die Konsequenzen tragen jedoch die Betroffenen. Dies empfinde ich als eine verdeckte Drohung und als emotionalen Erpressungsdruck. Und er ist besonders perfide, weil er über die Existenzsicherung von Betroffenen läuft. Dass diese Argumentation ausgerechnet von dem Sprecher (im Ruhemodus) der Betroffenenvertretung übernommen wird, ist bemerkenswert. Und seinen (letzten) Hinweis auf das gemeinsame Ziel empfinde ich als Schein-Kollektivismus. Das ist Pseudo-Konsens und kein echter Dialog.
Der Lesearten von solchen Statements (wie dem vom Sprecher ((im Ruhemodus)) der Betroffenengruppe) gibt es viele! Meine Meinung ist, dass Aufarbeitung ihre Wirkung nicht dadurch entfaltet, dass institutionelle Logiken von Betroffenenvertretungen reproduziert werden. Ihre Aufgabe ist es, diese Logiken sichtbar zu machen und zu irritieren – gerade dann, wenn sie für Betroffene nicht tragfähig sind. Beteiligung darf nicht bedeuten, bestehende Verfahren stillschweigend mitzutragen, sondern muss auch das Recht einschließen, sie grundlegend in Frage zu stellen.
Lieber Rainer Zufall
noch eine Einordnung zu meinen letzten Posts:
Die waren ironisch gemeint. Bittere Ironie, ja. Zynisch vielleicht auch. Aber solche Sprachformen entstehen selten aus Übermut – sondern aus Frust, Ohnmacht und der Erfahrung, immer wieder gegen dieselben Wände zu laufen. Nicht jeder mag diesen Ton, und nicht jeder versteht ihn sofort. Aber manchmal sind Ironie und Zuspitzung die letzten Mittel, um eine bedrückende Realität überhaupt noch benennen zu können, ohne daran zu verzweifeln. Du kennst dies bestimmt auch.
Und jetzt ganz ohne Ironie.
Die Kritik, die hier geäußert wird, kommt nicht von ein paar „Dauer-Nörgler*innen“ oder Menschen mit persönlicher Agenda. Sie steht auch zum Nachlesen in den Begründungen zum Rückzug der bisherigen Sprecherin der Betroffenen im Beteiligungsforum.
Sie beschreibt einen „mangelnden Umsetzungswillen innerhalb der Landeskirchen“. Sie spricht davon, dass wichtige Entscheidungen vertagt werden, statt sie konsequent anzugehen. Und sie benennt ein Gefühl, das viele Betroffene seit Jahren formulieren: Im Beteiligungsforum als Alibi genutzt zu werden – nach dem Motto: „Es waren ja Betroffene dabei.“
Das ist keine polemische Zuspitzung von außen. Das ist die Einschätzung einer Person, die mitten in diesen Prozessen saß, Verantwortung getragen und immer wieder für zügige, einheitliche Umsetzung geworben hat – und daran zermürbt ist. Ihr Rücktritt ist kein individuelles Einzelschicksal, sondern ein deutliches Signal über strukturelle Schieflagen.
Wenn selbst auf dieser Ebene beschrieben wird, dass Strukturen Veränderung nur im „Schneckentempo“ zulassen, dass Einheitlichkeit versprochen, aber durch die Konstruktion der Richtlinien faktisch nicht gesichert wird, dann darf man das nicht als schlechte Stimmungsmache abtun. Dann muss man sich fragen, was an den Strukturen grundlegend nicht stimmt.
Ironie war also nur die Verpackung.
Der Inhalt ist (leider) bitterer Ernst.
@steppenwolf Guten Morgen, danke für Ihren Beitrag. Im öffentlichen Forum bitten wir darum, Beiträge und Kritik ohne personalisierte Unterstellungen oder abwertende Zuschreibungen zu formulieren. In Ihrem Post finden sich mehrere solche Formulierungen. Wir blenden den Beitrag daher in dieser Form aus. Gern können Sie den Inhalt sachlich erneut posten – bitte mit Fokus auf konkrete Punkte/Strukturen und ohne Bewertungen über Personen. Vielen Dank für Ihr Verständnis.“