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AG BeNe
Ach, was für eine Überraschung: Eine Betroffenenvertreterin tritt zurück, weil sie emotional am Limit ist und die Aufarbeitung im Schneckentempo vorankriecht. Damit konnte nun wirklich niemand rechnen. Außer vielleicht alle, die in den letzten Jahren zugehört haben.
Vier Jahre lang Brücken bauen zwischen Menschen, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, und einer Institution, die erst einmal prüfen muss, ob die Brücke auch mit der hauseigenen Rechtsabteilung kompatibel ist – das ist natürlich kein Ehrenamt mit Wellness-Faktor. Wer braucht schon weitere Beachtung, wenn man doch Protokolle abstimmen darf?
Besonders beruhigend ist, dass alles seine Ordnung hat. Es gibt Gremien. Und Untergremien. Und Arbeitsgruppen, die prüfen, ob andere Arbeitsgruppen schon geprüft haben. Beschlüsse werden gefasst, weitergereicht, regional angepasst, juristisch entkernt und am Ende in einer Form umgesetzt, die niemanden überfordert – außer die Betroffenen. Aber Hauptsache, es war „Beteiligung“ dabei. Alibi ist ja auch eine Form von Nähe.
„Einheitliche Standards“ sind in diesem System offenbar so etwas wie das Abendmahl: symbolisch stark, praktisch sehr unterschiedlich ausgelegt. Je nach Landeskirche mit Beilagen, Sonderklauseln oder spirituell-juristischen Zusatzprüfungen garniert. Und irgendwo sitzt dann eine Kommission und überlegt, ob es einem Menschen zumutbar ist, seinen Täter zu verklagen. Fremdbestimmung als Seelsorgeformat.
Dass nun schon die zweite Betroffenenstimme aus der ersten Reihe aussteigt oder pausiert, wird sicher sehr ernst genommen. Es folgt bestimmt ein tief bewegtes Statement, ein Dank für das „prägende Engagement“ und die Versicherung, man wolle die Kritik „als wichtigen Impuls“ verstehen. Impulse sind in der Kirche schließlich hochgeschätzt – vor allem, wenn sie nicht zu schnell zu Bewegung führen.
Der eigentliche Skandal ist ja nicht, dass die Sprecherin geht. Der Skandal ist, dass ihr Schritt so folgerichtig wirkt. Wenn selbst die Menschen, für die dieses ganze Konstrukt angeblich gebaut wurde, sagen: Ich kann nicht mehr – dann ist das kein Personalproblem.Dann ist das System die Baustelle. Und die steht leider immer noch unter kirchlicher Bauleitung: langsam, föderal und mit sehr viel Verständnis für Statik – aber erstaunlich wenig für die, die seit Jahren „unter den Trümmern“ warten.
Und ja, zur Ehrlichkeit gehört auch: Ein Teil der Kritik, die heute so treffend Richtung EKD zielt, klang für andere Betroffene früher schon vertraut – nur damals ging diese schon gegen ihr Agieren.
Wer oft laut anklagt, Fortschritte betont und jegliche Kritik mit Verweis auf „Betroffenenspaltung“ abbügelt, steht irgendwann vor dem Problem, dass Vertrauen keine Pressemitteilung liest.
Gut gemeint war sicher vieles. Aber „gut gemeint“ ist in der Aufarbeitung ungefähr so hilfreich wie „komplexe Lage“ – klingt verantwortungsvoll, ändert nur nichts an dem Punkt, an dem Menschen irgendwann dann sagen: Ich glaube Euch nicht mehr.
Als bitteres Fazit bleibt: Nicht die Sprecherin ist gescheitert und hat „hingeschmissen“ – ganz offensichtlich ist die Idee gescheitert, man könne mit so einem Beteiligungsforum, das weder Durchgriffsrechte noch echte Sanktionsmöglichkeiten hat, eine schwerfällige, föderale Großorganisation zur konsequenten Aufarbeitung oder den vielbeschworenen Kulturwandel zwingen.
Das BeFo künstlich als „zentrales Organ“ am Leben zu halten, wirkt inzwischen ein bisschen wie kirchliche Intensivmedizin für die Außenwirkung: Viel Gerät, viel Aufwand, viele warme Worte, aber die entscheidenden Vitalfunktionen liegen woanders. Zumal ja ständig betont wird, es sei schon „so viel angestoßen“ worden.
Angestoßen ist allerdings noch nicht umgesetzt – und schon gar nicht einheitlich, verbindlich, nachhaltig und überprüfbar.
Was es bräuchte, wäre kein weiteres Dialogformat und ein WeiterSo-BeFo, sondern ein „knallhartes Controlling“ mit echten Zähnen: Klare Fristen, transparente Berichte, unabhängige Kontrolle – und wirklich spürbare Konsequenzen, wenn Landeskirchen wieder eigene Sonderwege, Verzögerungstaktiken oder weichgespülte Umsetzungen erfinden.
Nur: Genau so ein Instrument existiert nicht. Und solange das so bleibt, bleibt auch die Aufarbeitung das, was sie für viele Betroffene seit Jahren ist – ein Prozess, der vor allem eines produziert: Pressemitteilungen, Versprechen, Enttäuschung und Erschöpfung.
Und zum Schluss ein Hinweis von Einstein dazu: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind!“
Der Abschied der „Lotzin": Eine Zäsur im Beteiligungsforum
Wie der Zufall es will, habe auch ich gestern der Presse entnommen, dass Nancy Janz das „BeFo-Schiff“ verlässt. Man könnte auch sagen: Nach gut dreieinhalb Jahren geht die „Lotzin" von Bord. Gemeinsam mit Detlev Zander übernahm sie mit dem offiziellen Start des Beteiligungsforums (BeFo) am 1. Juli 2022 die Rolle der Sprecherin der Betroffenengruppe und sie gilt als „Pionierin der ersten Stunde“ und war maßgeblich an der Konzeption des Forums beteiligt. Seitdem hat sie sich unermüdlich für die Belange von Betroffenen sexualisierter Gewalt im Kontext der evangelischen Kirche eingesetzt – dafür gebührt ihr großer Respekt und Dank!
Doch von außen betrachtet fühlt man sich mittlerweile jedoch unweigerlich an das Abzählreim-Prinzip erinnert: Von der ursprünglichen Besetzung der Gruppe der Betroffenen sind aktuell nur noch fünf Mitglieder übrig. Zwar stehen neue Aktive – derzeit noch als Gäste tituliert – in den Startlöchern, doch der personelle Aderlass ist unübersehbar. Man kann nur mutmaßen, dass es hinter den Kulissen auch um interne Machtkämpfe geht. Laut Nancy Janz entzündet sich die Kritik oft an fundamentalen Fragen: Wer ist legitimiert, zu sprechen? Wer ist kirchennah oder kirchenfern und somit vermeintlich unabhängiger? Wer hat „mehr" gelitten als andere? Dass es in der Gruppe bereits länger rumort, deutete sich bereits im September 2025 an, als Detlev Zander öffentlich mitgeteilt hat, sein Sprecheramt bis auf weiteres ruhen zu lassen, dem Gremium aber – im Gegensatz zu Janz – als Mitglied erhalten bleibt.
Ich persönlich bin bei der Lektüre verschiedener Pressemitteilungen an zwei Aussagen von Frau Janz hängengeblieben, die ein Schlaglicht auf die tiefen strukturellen Probleme werfen:
1. Das Kommunikations-Vakuum: Zwischen Unvermögen und Selbstaufgabe
In der taz (04.02.26) beklagt Nancy Janz: „In Sachen Kommunikation ist die EKD einfach wirklich schlecht. Wir müssen die Leute mitnehmen, ihnen nicht nur Ergebnisse mitteilen, sondern auch Fragestellungen, Entscheidungsgänge, Zwischenbilanzen. Aber das ist zäh, nicht eingeübt genug, da fehlt es an Transparenz."
Diese Analyse lässt mich nicht nur ratlos, sondern schlichtweg verärgert zurück. Man muss sich fragen: Ist das Selbstreflexion oder reine Schuldzuweisung? Wenn die EKD in der Kommunikation versagt, warum hat die Betroffenenvertretung dann nicht längst das Zepter selbst in die Hand genommen? Dass man das Feld der Öffentlichkeitsarbeit – und damit die gesamte Deutungshoheit – so kampflos der EKD überlassen hat, grenzt (für mein Empfinden!) an Arbeitsverweigerung. Wo blieb die eigene, laute und unabhängige Stimme des Gremiums, etwa auf ihrer Webseite?
Noch brisanter ist jedoch das Schweigen nach innen: Warum haben die Mitglieder der Vertretung – Frau Janz ausdrücklich eingeschlossen – den Dialog mit der eigenen Basis derart sträflich vernachlässigt? Es ist für mein Dafürhalten ein Armutszeugnis, dass engagierte und kritische Betroffene nachweislich ignoriert wurden, ihnen sogar wiederholt Betroffenenspaltung vorgeworfen wurde/wird, E-Mails unbeantwortet blieben und Kanäle wie BeNe weder zur Aufklärung noch für Berichte über Entscheidungsprozesse genutzt wurden/werden.
Von außen betrachtet drängt sich diesbezüglich ein bitteres Fazit auf: Die Betroffenenvertretung ist an dieser Stelle mit dem System der EKD ununterscheidbar verschmolzen. Sie hat es versäumt, ein eigenes, scharfes Profil zu entwickeln, und ist stattdessen im bürokratischen Nebel der Kirche untergetaucht. Wer Transparenz von der Kirche fordert, sie aber gegenüber den eigenen Leuten verweigert, verliert mit der Zeit (sorry to say) jede Glaubwürdigkeit.
2. Die zögerliche Selbsterkenntnis: Ein „Vielleicht“ als Offenbarungseid
Die zweite Aussage von Frau Janz (aus chrismon vom 04.02.26) zur Zukunft des Forums wirkt (für mich) wie ein schlechter Scherz: „Vielleicht braucht das Beteiligungsforum nach vier Jahren neue Energie, neue Gesichter und eine Evaluation. Wir haben ja immer gesagt, das BeFo sei ein lernendes System.“
Bei diesem „Vielleicht“ möchte man laut aufschreien. Dass dieses System auf sehr wackeligen Planken (um im Bild zu bleiben) steht, steht außer Frage – und zwar nicht erst seit gestern! Z. B. ist die Kritik an der Zusammensetzung der Gruppe der Betroffenen im Befo ein Dauerbrenner, der bis jetzt schlicht ignoriert wurde. Von einer demokratischen Wahl der Betroffenenvertreter konnte und kann keine Rede sein; es bleibt das Bild eines exklusiven Zirkels. Auch der kosmetische „Gast-Status“ für Neuzugänge ändert nichts an der Tatsache, dass für die breite Masse, der nicht organisierten Betroffenen, völlig schleierhaft bleibt, auf welcher Grundlage diese Personen überhaupt mandatiert wurden/werden. Wo ist die demokratische Basis?
Ebenso verhöhnt der Begriff der „Evaluation“ die Realität. Das Wort Evaluation (oder Evaluierung) stammt vom französischen évaluer bzw. dem lateinischen valere ab und bedeutet wörtlich übersetzt: Auswertung, Bewertung oder Begutachtung.
Im Kern geht es darum, den Wert, die Qualität oder den Erfolg einer Sache (z. B. eines Projekts oder eben eines Gremiums wie des BeFos) sachlich und systematisch zu beurteilen.
Die drei wichtigsten Aspekte einer Evaluation:
- Bestandsaufnahme: Was wurde konkret im Zeitraum X erreicht?
- Bewertung: Waren die Maßnahmen wirksam, effizient und nachhaltig?
- Lerneffekt: Was muss man in der Zukunft ändern (das „lernende System“)?
Von einer echten, kritischen Prüfung kann aber keine Rede sein. Ich zumindest kann mich an keinen einzigen fundierten Rechenschaftsbericht erinnern, der mich als Betroffenen darüber in Kenntnis gesetzt hätte, was die Betroffenenvertretung – und vor allem wieso, weshalb, warum – in den letzten dreieinhalb Jahren verlässlich und nachhaltig bewegt hat. Hier schließt sich der Kreis zum Kommunikationsversagen: Ein „lernendes System“, das die Rechenschaft gegenüber seiner eigenen Basis verweigert, lernt nicht – es stagniert in der Selbstreferenzialität.
Mein Fazit: Die „Lotzin" geht von Bord und hinterlässt ein Schiff in extrem unruhiger See. Doch wie schon eine alte chinesische Weisheit sagt: „Nicht der Wind, sondern das Segel bestimmt die Richtung". Es bleibt also abzuwarten, ob die neue Mannschaft nun endlich den Mut aufbringt, das Steuer selbst in die Hand zu nehmen und einen eigenen Kurs zu setzen – oder ob sie weiterhin als profilloses Beiboot im Kielwasser der EKD mitschwimmt.
Auf den Punkt, wenn nicht ein Austausch mit den Betroffenen der Landeskirchen und Diakonie stattfindet, das Befo eine Selbstdarsteller einiger weniger ist , dann stellt sich doch die Frage , für wen ist das Befo gut...die Anerkennungsleistungen funktionieren nicht , die Aufarbeitung schon gar nicht ,wo sieht man den Anwendungskatlog...alles geheim und unterliegt der Schweigepflicht....ist das im Sinne aller Betroffenen????
Ich will jetzt auch wissen was machen die anderen. Weil das mit Nancy Jan finde ich gut. Die hat Rückrad. Und von den anderen will ich das auch sehen!! Wir wollen uns nicht länger so behandeln lassen und Nancy Janz hat das richtig gemacht!!!