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AG BeNe
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edit: Titel angepasst
Achtung Trigger,
Also, bei so vielen Diskussionspunkten, die kirchenpolitisch anmuten, wollte ich einen Kontrapunkt setzen.
Mal was über ein Leben erzählen. Denn darum geht es doch auch oder? Was einzelne Personen so für Themen mit dem Thema haben und wie sich das äußert im Alltag und wer oder was hilft?
Ich fang mal an. Mal sehen, wie weit ich heute komme. Eure Kommentare sind erwünscht, natürlich.
Bei mir wars mit 14,15,16. Ich hab erst nach 25 Jahren aufgehorcht, zunächst mit der Frage: Könnte es Missbrauch sein? Inzwischen mit der Gewissheit. ja. Die ganzen Jahre dazwischen war für mich klar.: ich bin der Fehler, ich habs verbockt, wie konnte ich nur, wie habe ich das zugelassen, was habe ich falsch gemacht, damit das passieren kann, warum konnte ich es nicht verhindern? Wie habe ich dazu animiert und wieso habe ich damals kein "Nein" auf die Reihe bekommen? Du bist aber auch schwach... Mit solchen oder ähnlichen Vorwürfen war ein Teil meines Kopfes einfach beschäftigt. Aber mal von Anfang an. IN meiner Geschichte war es kein Pfarrer sondern ein Teilzeitmitarbeitender.
Meine Geschichte: Missbrauch und der lange Weg zur Erkenntnis
Ich habe lange gebraucht, um die Worte zu finden. Noch länger habe ich gebraucht, um mir selbst zu glauben. Denn genau das ist es, was Missbrauch mit einem macht: Er raubt einem das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung, er verdreht die Realität und lässt einen im Zweifel zurück. Lange Zeit wusste ich nicht einmal, dass das, was mir passiert ist, einen Namen hat. Es war einfach Teil meiner Geschichte, Teil meines Lebens, Teil MEINER Schuld und Scham. Erst viel später konnte ich erkennen, was wirklich geschehen war, warum ich mich so oft ausgeliefert gefühlt habe, warum Grenzen für mich nie klar waren.
Der Anfang: Ein Netz aus Abhängigkeiten
Ich bin in einem Umfeld aufgewachsen, in dem Zucht und Ordnung, Gehorsa0,m und Disziplin, Aufopferung und Anpassung als Werte galten. Ich wollte es allen recht machen, denn das bedeutete Sicherheit. Und genau das machte mich verletzlich. In der Kirche fand ich lange Zeit einen Ort, an dem ich mich aufgehoben fühlte. Die Menschen dort waren vertraut, die Rituale vermittelten Sicherheit. Doch gleichzeitig war es auch ein System, das unantastbar schien und nach dem sich alle unwidersprochen richteten, in dem Autorität göttlich anmutete und vor allem Männer in Autorität betonte?
Dazu kam mein tief verwurzelter, noch kindlicher Glaube. In der Bibel zieht sich das Thema Leid, Leid aushalten, überwinden ja durch und in meiner Lebenswelt bedeutete das, dass Schmerz und ihn zu überwinden wohl zum Leben dazu gehört. Diese Vorstellung war in meinem Umfeld omnipräsent. In den Liedtexten der Kirchenmusik, die für mich prägend waren, spiegelte sich dieser Kampf im Leben wider. "Herr deine Liebe ist wie Gras und Ufer", "Befiel du deine Wege", "ich steh an deiner Krippen hier", "Wer sich hingibt, wird belohnt" – all das hat sich tief in mein Denken eingebrannt und wurde von einer unfertigen jugendlichen Seele hin und herbewegt. Es war fast zwangsläufig, dass mein Missbrauch für mich eine Art Spiegel oder gar eine Möglichkeit wurde, das nachzuspüren. Vielleicht war es aber auch eine Form der Absolution an den Täter, eine Art, meine eigene Ohnmacht zu ertragen und ihr einen Sinn zu geben. Und die Geschichten aus der Bibel gaben ja auch viel Hoffnung, wie ein verlorener Sohn allein durch Gnade wieder aufgenommen zu werden, trotz der Schuld und Scham, die ich auf mich geladen hatte.
Der Täter wusste um meine Prägung. Er wusste, wie tief diese Glaubenssätze in mir verankert waren, und nutzte genau das aus. Ich habe nie hinterfragt, ob mein Schmerz gerechtfertigt war. Ich habe nie gelernt, dass Leiden nicht die Voraussetzung für Liebe ist. Ich dachte, während der Missbrauchsphase, wenn ich nur genug gebe, dann würde ich vielleicht endlich die Liebe und Anerkennung erhalten, nach der ich mich so sehr sehnte. Stattdessen kam Schuld und Scham s o sehr, dass ich es als meinen Fehler ansah und begann die Schuld abzuarbeiten. Innerhalb der Kirche. Als Mitarbeitende.
Doch genau diese Mechanismen machten es mir unmöglich, aus eigener Kraft auszubrechen.
Die Strukturen, die mich hätten schützen sollen, taten es nicht. Missbrauch beginnt nicht mit der Tat selbst. Er beginnt mit einem schleichenden Prozess der Manipulation. Ich wollte Anerkennung, wollte dazugehören. Ich habe von Klein Auf meine eigenen Bedürfnisse ignoriert, um geliebt zu werden. Ich habe gelernt, meine Grenzen nicht zu spüren oder zu übergehen. Mein Täter hat das erkannt. Und genutzt.
Das Unsichtbare sichtbar machen
Was mir passiert ist, ist schwer in Worte zu fassen. Nicht, weil es so unbegreiflich ist, sondern weil die Sprache lange Zeit nicht ausgereicht hat, um das Unrecht zu benennen. Es gab keine Zeugen. Nur meine Erinnerung, mein Körper, meine Reaktionen, die ich nicht verstand.
Ich erinnere mich daran, dass ich oft verwirrt war. Dass mein Gefühl sagte, dass etwas nicht stimmt, aber mein Kopf mir einredete, dass es schon passen würde. Ich empfand so viel Schuld und Scham, dass jeder Gedanke an das geschehene verboten war, abgekapselt wurde, weggepackt und im Hirn ganz nach hinten verschoben. Genau das ist das perfide an Missbrauch: Er lässt einen glauben, dass man selbst verantwortlich ist. Dass man es verdient hat. Dass man sich nicht so anstellen soll. Und das Schweigen der anderen bestätigt das.
Die Strukturen, die es möglich gemacht haben
Rückblickend frage ich mich oft: Warum hat niemand etwas bemerkt? Die Antwort ist so einfach wie bitter: Weil es nicht sein durfte. Weil die Strukturen, in denen ich mich bewegte, keinen Raum für solche Fragen ließen. Weil der Täter nicht der war, der verdächtigt wurde. Weil seine Autorität unangefochten war. Weil ich nicht die Reflexionsmöglichkeit hatte zu verstehen.
Ich weiß heute, dass nicht nur der einzelne Täter schuld ist. Sondern auch das System, das ihn ermöglicht hat. Die Kultur des Gehorsams im Eltenrhaus, des Schweigens, der Tabus. Die Botschaft war klar: „So etwas gibt es bei uns nicht.“ Also konnte es nicht sein. Und wenn es nicht sein konnte, dann war es auch nie passiert.
Was es mit mir gemacht hat
Ich bin lange Zeit durch mein Leben gegangen, ohne zu verstehen, warum ich so oft in ungesunden Beziehungen gelandet bin. Warum ich Schwierigkeiten hatte, Grenzen zu setzen. Warum ich immer wieder in Situationen geriet, in denen ich mich klein, ohnmächtig und ausgeliefert fühlte.
Missbrauch prägt. Er hinterlässt Spuren, die man nicht immer auf den ersten Blick erkennt. Manche Wunden bluten nach innen. Die Angst, nicht ernst genommen zu werden, das ständige Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen, die Schwierigkeit, sich selbst zu vertrauen.
Ich habe mich lange Zeit selbst sabotiert. Ich habe mich in Situationen gebracht, in denen ich nicht gewinnen konnte. Ich habe unbewusst versucht, die Vergangenheit zu wiederholen, um sie diesmal richtig zu machen. Um diesmal doch noch Kontrolle zu bekommen. Das hat nicht funktioniert. Selbstverletzendes Verhalten zeigt sich nicht immer in Wunden – oft geschieht es leise, in Entscheidungen gegen das eigene Wohl. In meinem Fall durch Adipositas, mangelnde Selbstfürsorge und bewusstes Verzichten auf Dinge, die mir gutgetan hätten. Essen war Trost und zugleich Selbstsabotage – eine Strafe für das, was ich nicht verhindern konnte. Bewegung fiel weg, weil ich tief in mir glaubte, es nicht wert zu sein. Gleichzeitig konnte ich nicht zur Ruhe kommen. Ständige Anstrengung, ständiger Stress – Pausen fühlten sich bedrohlich an, fast wie Versagen. Also funktionierte ich weiter, immer im Kampfmodus, weil das die einzige Art war, mich zu spüren – oder mich nicht spüren zu müssen.
Und Anteile davon übertragen sich auf meine Kinder. Das tut am meisten weh.
Was mir geholfen hat
Der Weg raus war nicht einfach. Aber es gibt ihn.
Das Wichtigste war, mir selbst zuzuhören. Meine eigene Geschichte ernst zu nehmen. Mich nicht länger selbst zu hinterfragen, sondern meine Wahrheit anzuerkennen. Und das war schwer.
Therapie hat geholfen, um die Kindheit zu bearbeiten, die Bedingungen, die dazu führten, dass Opfer und Täter zueinander passten. NLP war schließlich der Gamechanger. Ich habe gelernt, meinen Sinnen wieder zu vertrauen, mich wieder zu spüren – auch körperlich, meine Glaubenssätze zu hinterfragen und Gefühle in Worte zu fassen und zuzuordnen. Ich habe gelernt, meine Grenzen zu spüren und zu setzen. Ich habe gelernt, dass mein Wert nicht davon abhängt, ob andere mich mögen. Ich hab mich „nachbeeltern“ können und Themen zurück gegeben, die nicht meine waren. Ich kam in ein Stück Heilung, ich bin da auf dem Weg (aber längst noch nicht angekommen)
Die Kirche hat einen Unterschied gemacht. Mit Webseiten, erreichbarem, fachkompetenten Mitarbeitenden, einer Anerkennungskommission und sensibler Betreuung während des Verfahrens. Ich habe mich mit anderen Betroffenen vernetzt. Ich habe gelernt, dass ich nicht allein bin. Dass meine Geschichte zählt. Dass sie einen Platz hat.
Was ich weitergeben möchte
Falls du das liest und ähnliche Erfahrungen gemacht hast: Du bist nicht schuld. Egal, was man dir gesagt hat. Egal, wie alt du warst. Egal, wie die Umstände waren. Du bist nicht schuld.
Und du bist nicht allein.
Es gibt einen Weg raus aus dem Gedankenkarussell. Er ist nicht leicht, aber er ist möglich. Und er ist es wert. Weil du es wert bist.
Danke für Deinen Mut Dich zu öffnen, zu erzählen und ja , Heilung erfahren ist möglich . Ausradieren meiner Meinung nach nicht, Alles Gute Dir
Liebe*r PandaOR,
ich danke Dir von Herzen für das Teilen Deiner Geschichte. Schon nach den ersten Zeilen war ich gefangen von den Überschneidungen zu meiner Geschichte, mit der ich mich seit 25 Jahren so allein fühle. Immerhin habe ich -ausgelöst durch die ForuM-Studie- es im vergangenen Jahr geschafft, eine Anerkennungsleistung zu beantragen und die Anhörung vor der Kommission zu bewältigen. Das erste Treffen mit meiner Verfahrenslotsin war dabei ein wichtiger Meilenstein; habe ich doch erstmalig einer Person alles erzählt und eben nicht die befürchtete Ablehnung sondern Verständnis und Zuwendung erfahren.
Aber Deine Worte, die ich las als wären sie nur für mich geschrieben, haben mich zum ersten Mal aus meinem Funktionsmodus herausgeholt, mich im Innersten berührt. Ich musste sehr weinen, aber es fühlt sich wie eine erlösende Traurigkeit an. Danke!
@betroffeninberlin Da, zumindest in einer Ansicht, unter dem Beitrag von PandaOR der Pfeil für die direkte Antwort fehlt, wähle ich den Umweg über deinen Beitrag, liebe(r) BetroffenInBerlin und möchte auch meinen Respekt und Dank für diesen sehr intensiven und gleichermaßen sehr anrührenden Beitrag von PandaOR zum Ausdruck bringen. Er hat mich sehr berührt. Vielen Dank dafür!!!
@bienchen730 Kleiner Hinweis: Ich war zunächst auch über den fehlenden Antwortpfeil unter dem Themenstarter-Post irritiert. Dann habe ich allerdings festgestellt, dass die direkte Nutzung des Schreibfeldes am Ende der Beiträge quasi eine Antwort auf den ersten Post darstellt (ich habe mich hoffentlich verständlich ausgedrückt).
@betroffeninberlin Ja, hast du, aber unter den anderen Beiträgen ist der Pfeil vorhanden. Und wenn ich erst später auf einen Beitrag antworte, und in der Zwischenzeit schon andere Beiträge eingestellt wurden, wie weiß das "Feld" dann, auf welche Post ich direkt antworten will? 😉
Hallo @bienchen730
zu Deiner Frage im Beitrag: https://betroffenen-netzwerk.de/community/main-forum/persoenliche-worte-zu-meiner-geschichte/#post-2249
@betroffeninberlin Ja, hast du, aber unter den anderen Beiträgen ist der Pfeil vorhanden. Und wenn ich erst später auf einen Beitrag antworte, und in der Zwischenzeit schon andere Beiträge eingestellt wurden, wie weiß das "Feld" dann, auf welche Post ich direkt antworten will? 😉
Die Antwort lautet: Es kommt drauf an!
Die Antwort via "Pfeil" beginnt mit dem Namen des Verfassenden des ursprünglichen Beitrags.
Wenn jemand in dem Forum bereits mehrere Beiträge verfasst hat, ist dass aber eine wenig hilfreiche Verbindung.
Möglichkeiten der eindeutigen Zuordung eines Kommentars
a) via der Zitatfunktion (") -> dazu MUSS man aber den ursprünglichen Text kopieren, so wie oben in dem grauen Kasten oder
b) den jeweiligen Link des Beitrags (das Symbol rechts oben, neben "Melden") einfügen
Zusatz.: Auch hier muss der BeNe-interne Link freigegeben werden (!?). Offensichtlich scheint auch hier der gleiche #Fehler wie beim Abo zu existieren -> BeNe springt ins Forum und eben nicht in den jeweiligen Beitrag 🤔 !
Vielen Dank. Das hat mich sehr berührt.
Du schreibst: "Ich hab mich „nachbeeltern“ können". Ich habe eine Ahnung davon, was du damit meinst. Magst du es mir genauer erklären und wie du das geschafft hast?
Du schreibst, du hast dich mit anderen Betroffenen vernetzt. Darf ich fragen, wie dir das gelungen ist? Hier bei BeNe ist es ja nur sehr eingeschränkt möglich wegen der Öffentlichkeit.
Habe auch geheult, als ich deinen Bericht las. Aber Heulen ist ja nicht unbedingt schlecht.
Alles Gute für Dich und deinen Weg
Stichwort Nachbeeltern:
Ich weiß nicht, ob es den Begriff wirklich gibt oder die Fachwelt ihn anders benutzt aber ich meine ihn so:
Bei den NLP Formaten (Übungen), die man so lernt gibt es mehrere Formate, die da helfen, z.B. die Arbeit mit inneren Anteilen / Kindern oder der Re-Imprint.
Beide Formate können dir hefeln dir heute das nachträglich zu geben, was du damals gebraucht hättest – in dem du dein eigenes, inneres Kind versorgst.
Re-Imprint: Oder etwas ausführlicher gehst du in dem Moment in dem dein jüngeres Ich vor dir auftaucht, stellst du dir deine Eltern dazu vor(auch die nicht vorhandenen Teile). Du überlegst, was du als Kind gebraucht hättest und warum sie es dir nicht geben konnten. Dann reist du zurück in die Kindheit deiner Eltern und reicherst sie mit Ressourcen an, die sie für ein gelungenes Leben bräuchten und was auch ihnen fehlte. Wenn die Eltern dann groß werden, sich kennen und lieben lernen, die Mutter mit dir schwanger wird und alles ist gut: Dann können sie später auch ihrem Kind geben, was dies bräuchte. An der Stelle bist dann wieder du als Kind da. Du siehst dich in der gleichen Situation wie vorher in der Kindheit aber dieses Mal können deine Eltern dir geben, was du gebraucht hast. Dieses Gefühl und diese Momente kann ich richtig genießen. Nachbeeltert werden, Liebe und Anerkennung spüren und mich selbst dabei als Kind sehen, wie ich sie unvoreingenommen und ohne Grenzen bekomme, wenn ich sie brauche. wow, unbeschreiblich. Innerer Frieden tritt ein.
verrückt? ja, klingt vielleicht so. Aber es hat geholfen. Es hat mir inneren Frieden gegeben, es hat den Blick auf die Eltern differenziert und lässt mich nun aushalten, dass ich manchmal wütend auf sie bin und dann wieder voller Mitgefühl... und insgesamt mit viel mehr Abstand auf sie gucke. Eine weitere Säule meiner Hilfegeschichte ist dann das Thema Familienaufstellungen.
achja, Stichwort Vernetzung.
mit Bezug auf sexualisierte Gewalt innerhalb der Institution Kirche (ich hab Monate für die Formulierung gebraucht, bis ich sie aussprechen konnte):
Das passierte mit vielen helfenden Händen und zur rechten Zeit, weil die Betroffenen meiner Landeskirche angeschrieben wurden und zu einem Vernetzungstreffen eingeladen wurden. So waren erste Kontakte in wertschätzender Atmosphäre und unterstützt mit Begleitung möglich. Alles andere ergab sich aus den sich wiederholenden Treffen, digital wie analog, eine riesen Bereicherung.
Vernetzung von Menschen mit Herausforderungen:
Eine zweite Form der Vernetzung passiert durch die Beschäftigung mit NLP. Die Kurs dazu sind so organisiert, dass man in Kontakt kommen kann und da gibts nun mal viele Menschen, die ihre eigenen Gründe haben, etwas aufzuarbeiten und sich gegenseitig zu unterstützen. Das ist dann kein kirchlicher Kontext mehr. Aber Missbrauch und andere schlimme Themen gibts ja nun mal genügend. Die Vernetzung hier war sehr unterstützend. Und wir haben in den Lerngruppen uns gegenseitig sehr geholfen und inspiriert.
@pandaor Ja, auch die Fachwelt nennt das Nachbeeltern 🙂
Beim lesen Deines "Missbrauchsschicksals" ist mir mehrfach der Atem gestockt. Mich freut es vor allem, dass DU so große Schritte in der Verarbeitung des "schlimmen Geschehens" gemacht hast. Vor allem beeindruckt mich, dass Du wieder Vertrauen in Deine eigene Person zurück erlangt hast und in Teilbereichen auch Heilung erfahren hast. Diese Entwicklung finde ich für Dich sehr gut und hoffe, dass Du auch weiterhin so positive Ergebnisse in Deiner Verarbeitung erzielst.
Leider bin ich derzeit noch nicht in der Lage, so offen über das mir zugefügte Leid zu sprechen bzw. zu berichten. In den beiden bisherigen Anerkennungsverfahren war meine Therapeutin für mich das Sprachrohr, wenn es um Detailschilderungen des Missbrauchs ging. Der Kern des "Kindesmissbrauchs" habe ich weiterhin durch eine Mauer abgeschirmt, um mich selbst zu schützen. Im Rahmen einer mehrjährigen ambulanten Psychotraumatherapie war nur eine Stabilisierung meines Alltags zur Aufrechterhaltung meiner beruflichen möglich. Die Bewältigung des eigentlichen Missbrauchserlebnisses sollte im Rahmen einer mehrmonatigen stationären Psychotraumtherapie erfolgen, da die Gefahr der Retraumatisierung äußerst hoch eingeschätzt wurde. Den Mut zu diesem Schritt habe ich bis heute jedoch noch nicht gefunden.
@pandaor Wow, ganz herzlichen Dank für deine lange Nachricht. Die werde ich mir morgen nochmal ganz in Ruhe durchlesen. Einiges kommt mir bekannt vor, obwohl ich mich noch nicht mit NLP beschäftigt habe.
@pandaor Das klingt ja richtig toll. Wie unterschiedlich die verschiedenen Landeskirchen da vorgehen. Bei mir nur schriftlicher Kontakt zur Fachstelle, 1Telefonat, schriftlicher Antrag ohne Angebot persönlich vorzusprechen. Ich sollte Einladungen für ein Forum bekommen, allerdings wurde vergessen, mich auf den Verteiler zu setzen...
Ich hoffe, es ist Okay, einen kurzen Einwand zu schreiben: Bitte etwas vorsichtig mit NLP umgehen, es eröffnet sich schnell ein unübersichtlicher und unregulierter Markt diverser Anbieter, von denen nicht alle seriös sind und die einem schnell viel Geld aus der Tasche ziehen können, da NLP (meist) nicht von der Krankenkasse bezahlt wird.