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AG BeNe
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Grüße an alle,
Habt ihr Erfahrungen mit Aufarbeitungsprozessen im Rahmen von diakonischen Trägern, Gemeinden usw.?
Waren das in eurem Fall einzelne Gespräche, in denen Schuld eingestanden worden ist, oder längerfristige Prozesse, in denen ihr Unterstützung erfahren habt?
Meine persönlichen Erfahrungen mit Aufarbeitung waren bis jetzt desaströs und selbst die kleinsten Erwartungen an Anständigkeit sind untertroffen worden.
Wie war das bei euch?
@ninabayern Du hast mit wenigen Worten sehr prägnant Deine Erfahrungen und die Ergebnisse hieraus beschrieben. Meine Erfahrungen mit der Diakonie in zwei Anerkennungsverfahren sind ähnlich gelagert mit einem ähnlich niederschmetterndem Ergebnis. ich habe an anderer Stelle hier im Forum schon Details meiner Erfahrungen beschrieben. Hier nur ein paar Beispiele: Keine Entschuldigung durch die Anerkennungskommission, kein Wort des Bedauern, keine ernsthafte Unterstützung im Verfahren, meinen Schilderungen wird zum Teil nicht geglaubt, Entscheidungen werden im biederen Amtsdeutsch verfasst und nicht begründet. Die diakonische "Täterheimeinrichtung" hat zeitweise daran gezweifelt, ob ich überhaupt in der Einrichtung untergebracht gewesen sei, obwohl ich mit 3 weiteren Geschwistern dort untergebracht war. Alle Akten sind Angabe gemäß vernichtet worden, lebende Zeugen inkl. Täter (kaufmännischer Mitarbeiter der Einrichtung) gibt es zudem wohl nicht mehr. Da ich keinerlei Beweise für den "sexuellem Kindesmissbrauch" vorlegen kann, bin ich auf meine Glaubwürdigkeit angewiesen, die jedoch in den beiden Verfahren mehrfach beschädigt wurde. Es wird mir sehr viel Kraft kosten, in einem möglichen neuen Verfahren gegen alle diese Widerstände meine berechtigten Ansprüche durchzusetzen.
Es ist jedes Mal schlimm, wieder und wieder dasselbe zu hören!
Heute erst musste ich mir von der "Anerkennungsstelle" sagen lassen: wir fangen gerade erst an! 15 Jahre nach Canesius!!!
Alles perlt weiter teflonartig ab und das Vorgehen bleibt menschenverachtend - egal was die Kirchenleute entgegnen, um ihren Schein zu wahren. Ach ja: sie sei betroffen und sie meine es gut - kam dann auch noch und sie gebe ihr Bestes.... und ich konnte nur sagen, es geht um mich und meine "Rechte" - dafür müsse sie sich ernsthaft einsetzen - und ja, das bisweilige kirchliche Verhalten unterhöhlt meine Glaubhaftigkeit. Alle Bystander sind weiter im Dienst! Obwohl ich stetig weiter klar benenne.
Zumindest habe sie sich heute notiert, dass ich weiter externen juristischen Beistand fordere ( was Kirche sowieso nicht finanziert)
Ich müsse vertrauen - hahaha! - und es ist nicht klar, ob ich das Exposé das sie schreibe, einsehen dürfe...und ob ich persönlich angehört würde auch nicht.... Dabei wurde ich bald 1 1/2 Jahre hingehalten...
Ob Bystander zur Rechenschaft gezogen werden? Das bezweifle ich!
Ich behaupte, ich bin mittlerweile ziemlich gut aufgestellt und Kirche wird nicht weiter bagatellisieten können.
Wenn ich an euch aus dem Heimkontext denke und wie 'clever' Kirche und Diakonie jetzt wieder Zeit geschundenen haben, zieht es mir alles zusammen! Und wenn ich mir die Zahlen bislang anschaue, wie karg Zahlungen bislang ausfielen.
Die UBSKM schweigt? Oder, hat jemand eine Reaktion von ihr dazu entdeckt?
Gib nicht auf! Suche dir Begleitung, um nicht alleine aushalten zu müssen.
@frank-werner Das tut mir sehr leid! 😴
Das ist ganz harter Tobak und eine Fortsetzung vom Missbrauch, nicht nur im moralischen, sondern fast schon im juristischen Sinne. Akten- und Beweisvernichtung ist ja so eine Grauzone…
Ich kenne das, denn auch in meinem Fall sind alle "Bystander" in Amt und Würden geblieben.
Das Thema, um das es mir in dem Thread ging, war explizit diese menschliche Aufarbeitung, bei der sich Institution und betroffener Mensch auf Augenhöhe begegnen und ganz klar ein Schuldeingeständnis und eine Art von Verantwortungsübernahme erfolgt. Eine solche ehrliche Begegnung war mir früher sehr viel wichtiger, als Anerkennungsleiustungen.
Mittlerweile habe ich meine Erwartungen dahingehend revidiert und erkannt, dass es in den allermeisten Fällen an dem Unwillen der Institutionen scheitert.
Ich habe z.b. oft so eine Art Ghosting erlebt, also dass man als Einrichtung Dinge versprochen und sich danach nie mehr gemeldet hat, oder dass ganz einfache Kommunikationsregeln im menschlichen Miteinander nicht eingehalten worden sind.
Ich kann da mal konkrete Situationen beschreiben, aber das wäre mir in den privaten Foren lieber.
@jeanne-v Danke für Deine Unterstützung und Mut machenden Worte. In meinen ersten beiden Verfahren hatte ich eine gute Unterstützung durch meine Therapeutin. Das neue Verfahren werde ich leider alleine durchstehen müssen, da meine Therapeutin in ihren wohlverdienten Ruhestand gegangen ist. Trotz berechtigter Kritik an diesem Forum, bin ich im Moment sehr dankbar dafür, dass ich mich hier mit Menschen ähnlichen Schicksals austauschen kann und man mir Mut macht und vor allem meinen Schilderungen Glauben schenkt. Auch ich wünsche Dir für Deine künftigen Auseinandersetzungen mit der Institution Kirche/ Diakonie viel Kraft und Mut.
@ninabayern Das hast Du gut beschrieben.
Aufgrund der fehlenden Beweise muss man umso mehr Kraft aufwenden, den unstrittig geschehenen "sexuellen Kindesmissbrauch" den verantwortlichen der diakonischen Heimeinrichtung vorzuhalten. Zu Anfang hatten mir die verantwortlichen der Einrichtung volle Unterstützung bei der Aufarbeitung zugesagt und mir sogar einen Therapeuten gestellt, der jedoch bei der Einrichtung angestellt war und somit auch von dieser Einrichtung bezahlt wurde. Ein Vertrauensverhältnis konnte von meiner Seite nicht aufgebaut werden und ich habe diese Hilfe relativ schnell beendet. In diesem Zusammenhang hatte man mir vorgeworfen, ich würde keine Hilfe annehmen. Spätestens als ich die Einrichtung mit möglichen Entschädigungszahlungen konfrontierte, war es abrupt Schluss mit der Freundlichkeit und Unterstützung. Man hatte mir Geldgierigkeit vorgeworfen. Dieses distanzierte und kalte Miteinander hat sich innerhalb von 14 Jahren Auseinandersetzung bis heute durchgezogen. Daher sind meine Erwartungen an das neue Verfahren nicht besonders postiv.
An dieser Stelle möchte ich auch kurz über den Tiefpunkt meiner Erfahrungen mit der EKD/Diakonie berichten. Im Jahr 2013 war mein Verhältnis zur Täterheimeinrichtung auf den Tiefpunkt angelangt. Der Presse hatte ich seinerzeit entnommen, dass die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen am 25.03.2013 zu Gast in der Tätereinrichtung sein wird. Ich hatte einem mit meinem Fall vertrauten Mitarbeiter dringend gebeten, dass bei dem Besuch auch mein "Missbrauchsschicksal" von der Präses bei den Verantwortlichen der Täterheimeinrichtung thematisiert wird und die Täterheimeinrichtung zur Übernahme von Verantwortung im Sinne der Orientierungshilfe der EKD (Grundsatz: Die Wiedergutmachung inkl. Schmerzensgeldzahlungen obliegt primär den Tätereinrichtungen) bewegt wird. Da dann lange nichts passierte, habe ich mich dann nach dem Sachstand erkundigt. Mir wurde dann mitgeteilt, dass mein Fall während des Besuches nicht thematisiert wurde. Ich war dann natürlich so wütend, dass ich Mitte Juni 2013 die Präses direkt angeschrieben habe und meine Enttäuschung zum Ausdruck gebracht. Ende August 2013 habe ich dann eine Antwort aus dem Präsesbüro erhalten, verfasst von der persönlichen Referentin der Präses. Zitat: "Die Präses interveniert nicht persönlich, sondern hat die Behandlung Ihres Anliegens unserem Fachdezernat anvertraut". Mein Schicksal "sexueller Kindesmissbrauch" war also nicht wichtig genug, um bei einem Besuch bei der Tätereinrichtung auf die Tagesordnung der Präses zu gelangen. Wie oft habe ich in der Presse vernommen, dass hochrangige Verantwortliche der EKD/Diakonie das Thema "Missbrauchsskandal" zur Chefinnen oder zur Chefsache machen wollten. Diese Aussagen sind nur Lug und Trug bzw. leere Phrasen. Woher soll ich nur die Zuversicht hernehmen, um das anstehende Verfahren nach neuer Anerkennungsrichtlinie zu überstehen.
Nicht unterkriegen lassen!
Im Grunde sollte es den Anspruch auf Begleitperson geben in dem Verfahren.
Ja, ich weiss, die gibt es nicht, als qualifizierte Begleitung.
Auch im SER ( Opferentschädigungsrecht) sollte es qualifizierte Begleitung geben - die gibt es aber nicht.
D.h. im Grunde müssten Betroffene Peer Beratung anbieten dürfen, oder wie auch immer man das nennt: denn Anwälte bekommt man ja auch nicht finanziert. Auch der Weisse Ring tut sich schwer -wie alle mit Kirche.
Auch müssten die sogenannten Fachstellen einen unterstützen - denen traue ich nix mehr zu, auch wenn die Bayern sich heute so gefeiert haben.
Also: Betroffene helfen Betroffenen. Und Kirche muss dafür eine Kostenzusage übernehmen für Aufwand- ,Fahrtkosten, whatever.
So mein Plan.
Kein Betroffener sollte da weiterhin alleine durch! Zum Selbstschutz und um Zeugen dabei zu haben.
Ich überlege gerade: der VDK stellt für manche Belange Anwälte. Hm. Müsste man durchfragen. Und ja, es bleibt unsäglich!
Stelle doch einfach einen Antrag mit Datum und Unterschrift und reiche Unterlagen nach. Bzw die haben ja eh was.
Dann wärst du schon mal irgendwann dran. Ich gehe davon aus, dass die nicht nachkommen werden mit der Bearbeitung.
Westfalen ist leider zu weit entfernt, sonst würde ich sagen, ich komm mit.
Nicht kleinkriegen lassen - das ist genau , was die wollen!
Danke für Deine guten Ratschläge und den Ansporn nicht aufzugeben. Vor allem finde ich es richtig nett, dass Du grundsätzlich Deine Bereitschaft erklärt hast, mich zu den Termin zu begleiten. Mit der weiten Entfernung habe ich natürlich vollstes Verständnis. In welchem Bundesland lebst Du? Die Frage musst Du aber auch nicht beantworten, wenn Du das nicht willst.
ganz im Süden
Ich will nicht mit Ratschlägen verletzen.
Ich meine aber, es ist an uns, neue Wege zu bereiten! Sonst geschieht gar nichts.
Ich meine das Ernst mit der Begleitung. Ich kann von mir aus Zeit investieren. Aber keine Fahrkarten o.ä.
Es gäbe formal bestimmt Möglichkeiten. Aber die Wege müsste man erst erschaffen. Vorallem braucht es erfahrene, qualifizierte Begleitung.
Es gibt Deutschlandweit Beratungsstellen: EUTAB oder so ähnlich. Staatlich gefördert. Die machen u.a. Teilhabeberatung. Vielleicht fiele das ja unter so was? Ich werde wohl mal rumtelefonieren.
Je nachdem gäbe es auch Ansprüche auf Assistenz zur Teilhabe.
Ich kenne die Richtlinien nicht gut.
Habe das aber schon eine Weile auf dem Radar.
Denn: es braucht neutrale Begleitung. Und längerfristig. Das müssen wir irgendwie mitentwickeln.
Ich habe keine Lust mehr, mich für dumm verkaufen zu lassen von sogenannten Fachstellen!
Rheinland-Pfalz hat schon staatliche Strukturen. Dort werden ich auch nochmal nachfragen, wie weit die mir der Umsetzung sind.
@frank-werner Ginge eine erneute Prüfung nicht auch schriftlich? Du kannst dich sehr gut ausdrücken! Ich selbst könnte mir nicht vorstellen, vor einer Kommission alles vorzutragen. Erst recht nicht, wenn ich das schon mal getan hätte.
Die langen Zeiten, bis du dann endlich von der pers. Referentin eine unbefriedigende Antwort bekommen hast. Erbärmlich.
Wieder großes Mitgefühl!
Danke für Dein Mitgefühl.
Ja Du hast recht, ich kann mich ganz gut ausdrücken und werde meinen neuen Antrag wieder primär schriftlich stellen. Mich persönlich einer Kommission (Tribunal) zu stellen, dass traue ich mir derzeit nicht zu. Auch bin ich nicht in der Lage, über Details meines "sexuellen Kindesmissbrauchs" in Gegenwart von Männern zu sprechen.
@frank-werner Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Viel Kraft weiterhin!